US-Militär zerstört fünf iranische Öltanker
US-Streitkräfte haben in der Nacht zum 9. September fünf iranische Rohöltanker angegriffen und nach eigenen Angaben vollständig außer Gefecht gesetzt. Die Besatzungen wurden vor den Angriffen aufgefordert, die Schiffe zu verlassen, teilte das zuständige US-Zentralkommando Centcom mit. Die Tanker könnten künftig nicht mehr genutzt werden.
Ein vom US-Militär veröffentlichtes Video zeigt offenbar Raketenangriffe auf die Maschinenräume der Schiffe. Betroffen waren die Tanker M/T Kaviz, M/T Charminar, M/T Horizon 1 und M/T Riesco im Golf von Oman sowie die M/T Derya nahe der Insel Charg im Persischen Golf.
Angriffe als Vergeltung für Attacken auf US-Kriegsschiff
Das US-Zentralkommando begründete die Angriffe als Vergeltungsmaßnahme. In den vergangenen zwei Tagen hätten die Iranischen Revolutionsgarden zweimal ein Kriegsschiff der US-Marine mit ballistischen Raketen angegriffen. Das Kriegsschiff sei den Angriffen ausgewichen, US-Amerikaner seien nicht verletzt worden.
Centcom beschrieb die angegriffenen Tanker als Teil eines milliardenschweren Schattennetzwerks, durch das sich die Iranischen Revolutionsgarden finanzierten. Die Revolutionsgarden kontrollieren nach Schätzungen bis zur Hälfte der iranischen Ölexporte und nutzen Netzwerke aus Briefkastenfirmen, um Sanktionen zu umgehen und Einnahmen in Milliardenhöhe zu erzielen.
Strategisch bedeutsame Angriffsorte
Iranische Medien berichteten zunächst von mehreren Explosionen vor der Insel Charg im Persischen Golf sowie nahe der Hafenstadt Dschask an der Straße von Hormus. Die regierungsnahe Nachrichtenagentur Mehr meldete Explosionen auf verschiedenen Teilen der Insel Charg, darunter auch im Hafengebiet.
Die Insel Charg ist das mit Abstand wichtigste Exportterminal für iranisches Erdöl. Mit einer Verladekapazität von rund sieben Millionen Barrel pro Tag werden dort etwa 90 bis 96 Prozent der iranischen Rohölexporte abgewickelt. Die Angriffe fanden in unmittelbarer Nähe zur Straße von Hormus statt, durch die täglich etwa 20 bis 21 Millionen Barrel Öl transportiert werden – rund ein Fünftel des weltweiten Erdölverbrauchs und etwa ein Viertel des globalen Seehandels mit Öl.
Iran startet umgehend Gegenschläge
Iran begann örtlichen Medien zufolge in der Nacht umgehend mit Vergeltungsschlägen. Eine Welle von Raketenangriffen richtete sich gegen US-Militärstützpunkte in Jordanien, wo die USA rund 2.900 Soldaten stationiert haben.
Die jordanischen Streitkräfte bestätigten die Angriffe und teilten mit, die Flugabwehr habe 18 von 20 aus dem Iran abgefeuerten ballistischen Raketen abgefangen. Zwei Geschosse seien in unbewohnten Gebieten niedergegangen. Es habe keine Verletzten gegeben.
Die Islamischen Revolutionsgarden kündigten weitere Vergeltungsangriffe an. In einer von der iranischen Nachrichtenagentur Irna veröffentlichten Mitteilung warnten sie alle Öltanker in den Häfen von Kuwait und Bahrain, die
diese Terroristen beherbergen und an ihren bösen Taten mitschuldig sind
. Die Besatzungen wurden zum Verlassen der Schiffe aufgerufen. Die Schiffe würden angegriffen, egal ob sie
vor Anker oder am Hafen liegen
.
Hintergrund der Eskalation
Das US-Zentralkommando Centcom ist für Militäroperationen in 20 bis 21 Ländern im Nahen Osten, Zentralasien und Teilen Nordafrikas zuständig, darunter Iran, Irak, Jordanien, Kuwait, Bahrain und weitere Staaten der Region. Die gezielten Angriffe auf iranische Öltanker fügen sich in eine breitere US-Strategie ein, die Finanzierungsquellen der Revolutionsgarden zu unterbrechen. Das US-Außenministerium hat im Rahmen seines Belohnungsprogramms «Rewards for Justice» bis zu 15 Millionen Dollar für Informationen ausgelobt, die zur Zerschlagung der Finanzmechanismen der Revolutionsgarden führen.







