Investoren: Französische Staatsanleihen nach Unruhen unter Druck

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Die Ausschreitungen am Wochenende verunsichern Investoren. Die Risikoprämien für französische Staatsanleihen steigen weiter.

Investoren: Französische Staatsanleihen nach Unruhen unter Druck

Frankfurt. Nach den Unruhen vom Wochenende sind französische Staatsanleihen am Montag erneut unter Druck geraten. Die Rendite von Regierungsbonds mit einer Laufzeit von zehn Jahren stieg zum Wochenstart um acht Basispunkte auf 4,88 Prozent.

Ein Basispunkt entspricht einem Hundertstel Prozentpunkt. Damit schnitten französische Staatsanleihen schlechter ab als Zinspapiere anderer Euro-Länder. Der Risikoaufschlag im Vergleich zu zehnjährigen deutschen Bundesanleihen, die für den Währungsraum als Referenzwert gelten, wuchs um sieben Basispunkte auf 1,44 Prozentpunkte. Das ist der höchste Wert seit zwei Wochen.

Am Wochenende hatten in Frankreich Hunderttausende Menschen gegen hohe Lebenshaltungskosten und für bessere Bildung demonstriert. Später kam es zu Ausschreitungen in Paris und anderen Städten. Nach offiziellen Angaben von Sonntag wurden 2000 Menschen festgenommen und 600 Polizisten und Feuerwehrleute verletzt. Präsident Emmanuel Macron verurteilte die Gewalt in einer Fernsehansprache am Sonntagabend.

Jim Reid, Analyst bei der Deutschen Bank, erwartet, dass die Ereignisse es für internationale Investoren erschweren, bedenkenlos französische Staatsanleihen zu kaufen.

Mit einer ohnehin schwierigen fiskalischen Ausgangslage in Frankreich und der näher rückenden Wahl 2027 fügt das Wochenende den Märkten eine weitere Ebene politischer Risiken hinzu

sagte Reid.

Laut Mike Bell, Marktstratege bei RBC BlueBay Asset Management, sind die Proteste nicht hilfreich für internationale Investoren, die überlegten, in französische Bonds zu investieren.

Es sieht so aus, als würden entweder die Anleihemärkte rebellieren, die Menschen rebellieren oder beides

sagte Bell dem US-Sender CNBC.

Hohe Staatsverschuldung beunruhigt Investoren

In den vergangenen Monaten sind die Kurse von Staatsanleihen weltweit gefallen. Fallen die Anleihekurse, steigen spiegelbildlich die Renditen. Frankreichs Staatsanleihen wurden dabei am Markt aber besonders kritisch beobachtet. Der Risikoaufschlag, auch Spread genannt, zwischen zehnjährigen Bonds von Frankreich und Deutschland war im Oktober so hoch wie seit der Euro-Schuldenkrise nicht mehr. Pessimisten befürchten eine neue Euro-Krise.

Analysten und Strategen sorgen sich wegen der hohen Staatsverschuldung und des Haushaltsdefizits des Landes. Ende des zweiten Quartals lag die Schuldenquote bei 119 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, im kommenden Jahr dürften es fast 122 Prozent werden. In einem schwierigen politischen Umfeld versucht Macrons Regierung, für 2027 einen Haushalt mit milliardenschweren Einsparungen auf den Weg zu bringen. Im Frühjahr kommenden Jahres stehen die Präsidentschaftswahlen an.

Der französische Aktienindex CAC 40 verlor am Montag etwa 1,6 Prozent und damit etwas mehr als der Euro-Leitindex Euro Stoxx 50. Der Euro verlor gegenüber dem Dollar 0,2 Prozent an Wert.

Bereits am Freitag könnte das Vertrauen der Anleger in französische Anleihen erneut auf die Probe gestellt werden. Dann bewertet die Ratingagentur Moody's Frankreichs Kreditwürdigkeit neu.

#Zinsen#Europäische Union#Migration
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