360X übernimmt außerhalb der Börsenzeiten
Das neue Modell verbindet den Handel auf Xetra mit der Orderausführung auf 360X. Während Xetra zu den europäischen Kernhandelszeiten weiterhin die Liquidität bereitstellt, führt 360X nachts und am Wochenende Aufträge aus. Privatanleger sollen dadurch auch zu diesen Zeiten über ihre Hausbank mit Dax-Aktien handeln können.
Der Xetra-Haupthandel findet von 9.00 bis 17.30 Uhr statt. Für Privatanleger gibt es seit Dezember 2025 zusätzlich den Früh- und Späthandel zwischen 8.00 und 22.00 Uhr, aber keinen durchgehenden Betrieb. Nach Angaben des Portals Dr. Web entstand bislang allein am Wochenende eine Pause von 58 Stunden zwischen Freitag, 22 Uhr, und Montag, 8 Uhr. Seit dem 27. Oktober schließt 360X diese Lücke.
Nach Informationen von Capital kommt die Deutsche Börse mit den längeren Handelszeiten unter anderem der Nachfrage von Neobrokern und Onlinebanken nach. ETFs sind zum Start nicht für den 24/7-Handel vorgesehen.
Reguliertes Verfahren und bestehende Abwicklungswege
Für die nächtlichen Aufträge und den Wochenendhandel nutzt 360X laut Deutscher Börse Group sein reguliertes MTF-Segment und das Request-for-Quote-Verfahren (RfQ). Das Frankfurter Wertpapierinstitut wird von BaFin und ESMA reguliert und betreibt neben dem MTF auch regulierte OTC- und DLT-MTF-Marktsegmente.
Die Abwicklung der Dax-Geschäfte erfolgt über die Clearstream-Konten, die die Marktteilnehmer bereits nutzen. Neue Post-Trade-Anbindungen müssen sie nach Angaben der Deutschen Börse Group nicht aufbauen. Bestehenden Kunden steht für die Freischaltung von 360X ein vereinfachtes administratives Verfahren in der Deutsche Börse Member Section zur Verfügung.
360X wurde 2021 gegründet. FinTech Futures zufolge investierte die Deutsche Börse damals 10 Millionen Euro und hält 50 Prozent des Unternehmens; die Commerzbank besitzt einen kleineren zweistelligen Prozentanteil. Zunächst sollte 360X tokenisierte Marktplätze für bisher illiquide Anlageklassen wie Kunst und Immobilien aufbauen. Jetzt kommt der klassische Dax-Aktienhandel hinzu.
Xetra-Auktionen bleiben unabhängig
An den Kernprozessen von Xetra ändert das ergänzende Angebot nach Angaben der Deutschen Börse nichts. Die bisherigen Auktionszyklen bleiben bestehen. Auch wirken sich Schlusskurse, die außerhalb der Xetra-Handelszeiten auf 360X entstehen, weder auf die Xetra-Eröffnungskurse noch auf die dortigen Eröffnungsauktionen aus.
Deutsche-Börse-Manager Eric Leupold beschrieb als Ziel, die erste europäische Finanzmarktinfrastruktur mit einem 24/7-Angebot für klassische Blue-Chip-Aktien zu werden. Das Unternehmen wertet den Start als wichtigen Schritt zu einer europäischen Marktinfrastruktur, die rund um die Uhr verfügbar ist.
Carlo Kölzer, bei der Deutsche Börse Group für Digitales und Devisen zuständig und zugleich Co-CEO von 360X, begründet das Angebot mit der Verbindung tiefer, regulierter Liquiditätspools und zeitlich durchgehender Verfügbarkeit. Kunden könnten so auf Bewegungen der globalen Märkte reagieren und ihre Risiken steuern. Die Integrität der Xetra-Kern-Benchmark-Zyklen bleibe dabei vollständig gewahrt.
Größere Spreads und keine nächtliche Dax-Berechnung
Capital zufolge müssen Anleger außerhalb der Xetra-Zeiten wegen der geringeren Liquidität mit stärkeren Kursausschlägen rechnen. Zudem fällt die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufspreis, der sogenannte Spread, größer aus. Schon vor Einführung des neuen Angebots waren diese Spannen am Abend größer als im liquiden Xetra-Handel.
Obwohl die einzelnen Aktien nun nachts und am Wochenende gehandelt werden, will die Deutsche Börse den Dax selbst zu diesen Zeiten vorerst nicht berechnen. Andere Indexanbieter könnten laut Capital anhand der Handelsdaten jedoch einen Performance-Index für die 40 Aktien ermitteln. Morningstar, MSCI und Solactive bieten bereits neben der Dax-Familie eigene Indizes auf deutsche Aktien an.
US-Börsen planen ebenfalls längere Handelszeiten
Auch in den USA werden die Handelszeiten ausgeweitet oder entsprechende Vorhaben vorbereitet. Nach einem Bericht von Capital strebt die Nasdaq ab dem 6. Dezember einen nahezu 24-stündigen Handel von Montag bis Freitag an. Die dafür nötige regulatorische Genehmigung steht noch aus.
Die NYSE hat dagegen bereits die Zustimmung der SEC für einen 22-Stunden-Handelstag erhalten, der von 1.30 bis 23.30 Uhr Eastern Time reicht. Auch die Cboe hat ähnliche Pläne vorgestellt.







