Tötungsfall bei Haiger: Angeklagte steht erneut vor dem Landgericht Limburg

lake-e46b6762-db92-4562-a7ef-83eb6119f675-0.webp

Das Landgericht Limburg verhandelt von diesem Montag, 2. November, an erneut über die mutmaßliche Beteiligung einer Frau an der Tötung einer 26-Jährigen. Der Prozess beginnt um 9.00 Uhr. Die Angeklagte hatte gegen ihre Verurteilung wegen Mordes Revision eingelegt; der Bundesgerichtshof hob das Urte…

Rechtsfehler bei der Beweiswürdigung

Im ersten Prozess hatte die Jugendkammer im April 2025 eine Jugendstrafe von sieben Jahren gegen die Frau verhängt. Sie war damals 21 Jahre alt und ist nach Angaben der hessenschau inzwischen 23. Zwischen dem damaligen Urteil und dem neuen Prozess liegen gut eineinhalb Jahre.

Anlass für die teilweise Aufhebung waren Rechtsfehler bei der Würdigung der Beweise. Nach dem Bericht der hessenschau beanstandete der Bundesgerichtshof, dass sich das Landgericht zu Unrecht auf einen späteren Bekannten der Angeklagten gestützt habe, der als Zeuge vom Hörensagen aussagte. Zugleich habe das Gericht frühere Aussagen des Hauptangeklagten nicht ausreichend berücksichtigt: Dieser hatte angegeben, allein gehandelt zu haben.

Nicht alle Teile des Urteils wurden aufgehoben. Bestand hatten laut hessenschau unter anderem Feststellungen zur gemeinsamen Gewaltanwendung und zur späteren Beteiligung der Frau an Verdunkelungshandlungen. Für die neue Hauptverhandlung hat die zweite große Jugendkammer zehn Termine vorgesehen. Wie das Landgericht am 18. September 2026 mitteilte, reicht die Planung vom 2. November 2026 bis zum 28. Januar 2027.

Die Tat und das im ersten Prozess festgestellte Motiv

Der Vorwurf gegen die Frau betrifft eine Tat vom Februar 2023. Nach Angaben der hessenschau wurde die 26-Jährige auf einem Freizeitgelände bei Haiger-Weidelbach im Lahn-Dill-Kreis getötet. Das Opfer und der Haupttäter stammen aus Dillenburg-Frohnhausen. Gegen den Mann, der im ersten Prozess ebenfalls angeklagt war, ist die lebenslange Freiheitsstrafe bereits rechtskräftig.

Er soll die 26-Jährige zunächst mit einem Baseballschläger am Kopf getroffen haben. Als sie röchelnd auf dem Boden lag, soll er ihr eine Fingersäge um den Hals gelegt und sie gewürgt haben. Der nun erneut angeklagten Frau wird vorgeworfen, an der Tötung beteiligt gewesen zu sein. Sie soll dem Mann anschließend geholfen haben, den leblosen Körper in ein Lagerfeuer zu werfen.

Zum Motiv stellte das Landgericht im ersten Prozess fest, dass der Freundeskreis von der Anwesenheit der 26-Jährigen "schlicht genervt" gewesen sei. Die Tat habe dazu dienen sollen, sie dauerhaft aus dem Freundeskreis zu entfernen. Andere zunächst vermutete Beweggründe erwiesen sich im Verfahren als unwahrscheinlich: die Verdeckung von Drogengeschäften, Eifersucht oder die Zurückweisung sexueller Avancen.

Nachrichten im Namen der Getöteten

Nach den Feststellungen des damaligen Urteils verschleierten die Beschuldigten die Tat gemeinsam. Dazu nutzten sie das Handy der Getöteten und verschickten Nachrichten, die von ihr zu stammen schienen. Ein weiterer mitangeklagter Mann hatte den Tatort vor der Tat verlassen. Wegen Beteiligung an der Strafvereitelung erhielt er im April 2025 eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung.

Von dem Verbrechen erfuhren die Ermittler laut hessenschau erst knapp ein Jahr später. Zwei Bekannte wandten sich kurz vor Weihnachten 2023 an die Polizei, weil sie seit Monaten nichts mehr von der 26-Jährigen gehört hatten. Im Januar 2024 wurde der damals 23-jährige Haupttäter festgenommen.

#Polizei
← Zurück zu Gerichte

Weitere Meldungen