Berichte über anhaltende Einschränkungen
Bei seinem Auftritt in Washington ging Trump nicht darauf ein, wer Musk zur Rücknahme der Drosselung bewegt hatte. "Ob ich angerufen habe oder ob jemand anderes angerufen hat, spielt keine Rolle", sagte er. Entscheidend sei, dass Musk die Einschränkung aufgehoben habe. Der Satelliteninternetdienst Starlink wird von Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX betrieben.
Laut einem Bericht des Wall Street Journal hatte Trump Musk am Mittwoch aufgefordert, die Verlangsamung zu beenden. Die Zeitung berief sich auf Regierungsbeamte. Noch am Donnerstag wurde allerdings aus der Ukraine von eingeschränkter Funktionalität berichtet. Für die ukrainischen Streitkräfte ist das Satelliteninternet von zentraler Bedeutung.
Verbindungsabbrüche bei schnellen Drohnen
Betroffen war Starshield, die militärische Version von Starlink. Ukrainischen Angaben zufolge setzten die Störungen in der Nacht zum 14. Oktober 2026 ein. Bereits am 15. Oktober meldete das ukrainische Verteidigungsministerium, die Verbindung im Feld sei wiederhergestellt. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte jedoch am 17. Oktober, eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 161 km/h gelte weiterhin.
Selenskyj beschrieb die Einschränkung so: Bewegten sich Flugobjekte schneller als 161 Kilometer pro Stunde, verloren die Terminals ihre Verbindung. Ukrainische Langstreckendrohnen erreichen teils bis zu 300 km/h. Oberhalb der Grenze waren sie deshalb im Blindflug unterwegs und ließen sich nicht mehr fernsteuern. Nach Selenskyjs Darstellung behinderte dies sowohl eigene Angriffe als auch die Abwehr russischer Jetdrohnen.
Am 17. Oktober sagte Selenskyj außerdem, die Ukraine sei vorab nicht über die Einschränkungen informiert worden. Tests mit Starlink-Geräten in EU-Ländern hätten gezeigt, dass ausschließlich die Ukraine betroffen sei. Europäische Partner arbeiteten bereits an einer möglichen Alternative zu Starlink.
Auch eine Erklärung aus Washington fehlte nach ukrainischer Darstellung. Ein hochrangiger ukrainischer Beamter sagte DW unter Wahrung seiner Anonymität, Kiew habe von den USA keine Erläuterung zu den Geschwindigkeitsbeschränkungen erhalten: "Wir betrachten dies als Signal für mögliche weitere restriktive Maßnahmen."
Unterschiedliche Darstellungen aus Washington
Das Weiße Haus und Musk hatten vor Trumps jüngsten Aussagen bestritten, dass es eine gezielte Drosselung gegeben habe. Zu diesem Zeitpunkt berichtete die Ukraine bereits seit gut einer Woche über Probleme. Musk verwies am 14. Oktober in sozialen Medien auf die Zuständigkeit der US-Regierung: Ihr gehörten die Starshield-Systeme, und sie kontrolliere sie. Über Einschränkungen entschieden das US-Militär und letztlich der Präsident.
Reuters berichtete am 16. Oktober unter Berufung auf Quellen aus dem Weißen Haus hingegen, das US-Präsidialamt habe die Drosselung der Starshield-Dienste angeordnet. Eine entsprechende Mitteilung sei an die Führung des Verteidigungsministeriums gegangen. Ein nicht namentlich genannter hochrangiger US-Vertreter hielt dagegen, Trump selbst habe keinen solchen Auftrag erteilt.
Die britische Zeitung The Telegraph schilderte unter Berufung auf vier Quellen einen anderen Ablauf: Musk habe Trump vorgeschlagen, die Geschwindigkeit von Starshield in der Ukraine zu begrenzen. Der Präsident habe zugestimmt, anschließend habe das Pentagon die Beschränkungen eingeführt.
US-Außenminister Marco Rubio bestritt am 17. Oktober eine absichtliche Drosselung: "Niemand im Weißen Haus hat irgendjemanden angewiesen, das Internet zu drosseln oder die Übertragungsgeschwindigkeiten zu verringern." Zudem erklärte er, die Ukraine habe keinen Zugang zum militärischen System Starshield, das auf einem Vertrag mit dem US-Militär beruhe. Kiew habe um Zugang für Angriffe tief in russisches Gebiet gebeten; darüber werde noch gesprochen.
Senatoren verlangen Untersuchung
Die zuletzt deutlich gewachsenen Spannungen zwischen Trump und Selenskyj hatten Spekulationen befördert, das Weiße Haus könnte die Drosselung veranlasst haben.
Neun Mitglieder des Auswärtigen Ausschusses im US-Senat, darunter vier Republikaner, wandten sich mit einem Schreiben an den Generalinspekteur des Pentagons. Sie forderten eine Untersuchung dazu, ob US-Beamte der Unterbrechung von Starshield zugestimmt hatten oder vorab darüber informiert gewesen waren.







