Onkalo in Finnland erhält Betriebsgenehmigung als weltweit erstes Endlager für abgebrannte Brennelemente

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Das finnische Endlager Onkalo darf den Betrieb aufnehmen. Die Genehmigung gab das Entsorgungsunternehmen Posiva am Donnerstag bekannt. Bevor die ersten abgebrannten Brennelemente eingelagert werden, stehen noch Tests und Inspektionen an; ein Starttermin ist bislang offen.

Genehmigung für die Abfälle aus fünf Reaktoren

Onkalo liegt in der Gemeinde Eurajoki im Südwesten Finnlands und soll nach Angaben von Posiva bald in Betrieb gehen. Geschäftsführer Ilkka Poikolainen sprach von einem "großartigen und historischen Tag sowohl für Posiva als auch für Finnland". Die noch erforderlichen Tests und Inspektionen müssen von der finnischen Behörde für Strahlenschutz und nukleare Sicherheit geprüft und genehmigt werden.

Die Erlaubnis gilt nach Angaben des deutschen Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) für 100 Jahre. Sie beschränkt sich auf Abfälle aus den fünf bestehenden Reaktoren: LO1 und LO2 am Standort Loviisa sowie OL1, OL2 und OL3 in Olkiluoto. Für eine längere Betriebsdauer oder eine größere Einlagerungsmenge, beispielsweise durch zusätzliche Reaktoren, wäre ein neuer Antrag nötig.

Das Fachmedium ingenieur.de hielt mit Stand Juni 2026 einen Betriebsbeginn Ende 2026 oder Anfang 2027 für möglich. Onkalo wäre damit das erste tiefengeologische Endlager für abgebrannte Brennelemente, das in Betrieb geht. Posiva nannte bei der Bekanntgabe der Genehmigung jedoch kein genaues Datum.

Ein Tunnelsystem tief im Grundgestein

Vor 22 Jahren begannen die Bauarbeiten an Onkalo; der finnische Name bedeutet "Höhle". Damit dauerte der Bau deutlich länger als der eines Atomkraftwerks, für das je nach Land und Reaktortyp meist sieben bis 15 Jahre benötigt werden.

Die unterirdische Anlage wurde in festes, 1,9 Milliarden Jahre altes Grundgestein gebohrt. Ihre Kapazität beträgt 6.500 Tonnen Uran. Nach Angaben von ingenieur.de befinden sich die Einlagerungsbereiche etwa 400 bis 430 Meter unter der Oberfläche. Dorthin führt eine rund fünf Kilometer lange, spiralförmige Rampe. Für den Endausbau ist ein Tunnelsystem von insgesamt etwa 50 Kilometern Länge vorgesehen.

Ingenieur.de beziffert die geschätzten reinen Baukosten auf rund eine Milliarde Euro. Einschließlich des jahrzehntelangen Betriebs, der Einlagerung und des abschließenden Verschlusses werden etwa fünf Milliarden Euro erwartet. Das Geld stammt demnach nicht unmittelbar aus dem finnischen Staatshaushalt: Die Kraftwerksbetreiber zahlen seit Jahrzehnten in einen staatlich verwalteten Entsorgungsfonds ein, über den Onkalo finanziert wird.

Kupfer, Bentonit und Fels als Barrieren

Die für Onkalo vorgesehenen abgebrannten Brennelemente bleiben noch über Jahrtausende hochradioaktiv. Zur Endlagerung sollen sie in korrosionsbeständigen Kupferbehältern in Bohrlöcher innerhalb der Felstunnel abgesenkt werden. Anschließend sollen die Bohrlöcher verfüllt und mit einem stahlverstärkten Betonstopfen verschlossen werden.

Grundlage ist laut ingenieur.de das ursprünglich in Schweden entwickelte KBS-3-Verfahren. Dabei kommen die abgebrannten Brennstäbe zunächst in einen massiven Gusseiseneinsatz. Jeder Behälter erhält eine etwa fünf Zentimeter dicke Kupferhülle. Um die Kapseln herum wird Bentonit-Ton eingebracht. Bei Kontakt mit Wasser quillt er auf und minimiert so die Wasserbewegungen.

Die derzeitige Planung sieht etwa 3.250 Endlagerbehälter vor, deren Einlagerung rund 100 Jahre dauern soll. Für die Sicherheitsbewertung betrachtete die finnische Strahlenschutzbehörde STUK wesentlich längere Zeiträume: Sie prüfte Analysen für bis zu eine Million Jahre. Darin wurden unter anderem künftige Eiszeiten, Veränderungen des Grundwassers, Korrosion und geologische Veränderungen berücksichtigt.

Probelauf mit Brennstoffattrappen

Ein mehrmonatiger Testlauf begann bereits am 30. August 2024. Wie das Nuklearforum Schweiz berichtete, wurden dafür vier Behälter mit Brennstoffattrappen in einem etwa 70 Meter langen Endlagerstollen platziert. Die vertikalen Einlagerungslöcher waren acht Meter tief.

Im Versuch wurden die Löcher mit Bentonit verschlossen und der Stollen mit einem Betonpfropfen abgedichtet. Zum Testprogramm gehörte außerdem, einen beschädigten Behälter wieder an die Oberfläche zu bergen.

Weitere Endlager in Schweden und Frankreich

Seit den ersten Kernkraftwerken der 1950er-Jahre suchen Staaten nach einer Lösung für den dauerhaften Umgang mit gefährlichem Atommüll. Bislang befindet sich der größte Teil in Zwischenlagern. Auch Schweden und Frankreich bauen Endlagerstätten; Finnland dürfte sein unterirdisches Lager jedoch als erstes Land in Betrieb nehmen.

In Schweden begannen laut dem Wissensdossier der GRS im Januar 2025 die Arbeiten am Endlager bei Forsmark. In rund 500 Metern Tiefe im Granitgestein soll es Platz für etwa 6.000 Behälter mit rund 12.000 Tonnen bestrahlter Brennelemente bieten. Mit den ersten Einlagerungen wird derzeit in den 2030er-Jahren gerechnet.

Für das französische Endlager Cigéo bei Bure im Gebiet Meuse/Haute-Marne sind Einlagerungsbereiche in etwa 500 Metern Tiefe im Tongestein vorgesehen. Der reguläre Betrieb soll dort zwischen 2035 und 2040 beginnen.

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