Laufshop will am Montag wieder öffnen
Für Jost Wiebelhaus steht nach der Plünderung seines Frankfurter Laufshops fest, dass er am Montag wieder öffnen will. Zwar wurden Schuhe und Bekleidung gestohlen, doch Ware sei noch ausreichend vorhanden. Entscheidend sei für ihn, dass in seinem Geschäft niemand verletzt worden sei, sagte er einem dpa-Reporter.
Der Laden liegt nahe der Konstablerwache, einem Schwerpunkt der Ausschreitungen vom Samstagabend. Als kurz vor 23 Uhr die Alarmanlage auslöste, fuhr Wiebelhaus zum Geschäft. Bei seiner Ankunft seien die Plünderer noch dort gewesen. Nach seiner Schilderung war die Polizei nach etwa zwei bis drei Minuten vor Ort; auch das Spezialeinsatzkommando (SEK) habe abgesichert.
Bei Tageslicht zeigte sich das Ausmaß der Zerstörung. "Wir sind alle überrascht worden, dass es solche Ausmaße gemacht hat", sagte Wiebelhaus. Seit halb vier habe die Polizei seinen Laden bewacht, weil die zerstörte Scheibe den Zugang zum Geschäft offenließ. Dafür bedankte er sich bei den Beamten. Nun soll die Öffnung vorläufig mit Spanplatten verschlossen werden.
Wiebelhaus blieb trotz der Schäden gefasst. Er betreibt den Laden seit 25 Jahren und hat vor mehr als 20 Jahren bereits einen Brand erlebt. Solche Erfahrungen machten gelassener, sagte er. Für Vandalismusschäden habe er eine All-Risk-Police; den Versicherungsschutz habe er erst am Mittwoch noch einmal geklärt.
Mehr als 1.000 Polizeikräfte im Einsatz
Randalierer schlugen am Samstagabend Schaufenster ein und plünderten mehrere Geschäfte, darunter einen Waffenladen. Dort stellten Polizisten in der Nacht zwei Waffen sicher und nahmen mehrere Personen fest. Anschließend sicherte ein SEK das Geschäft.
Insgesamt meldete die Polizei am Sonntagmorgen mehr als 30 vorläufige Festnahmen. Mehr als 1.000 Kräfte waren im Einsatz, darunter auch die Bundespolizei und ein SEK. Die Polizei setzte zudem Wasserwerfer, Panzerwagen, einen Hubschrauber und Drohnen ein.
Helfer wollen den Gewerbetreibenden beistehen
Mit Besen, Kehrschaufel und Mülltüte beteiligten sich Maximilian Roth und Andreas Gravenhorst am Sonntagvormittag an den Aufräumarbeiten. Sie wollten die Verwüstungen nicht einfach hinnehmen. "Das ist nicht das, für was Frankfurt steht", sagte Roth. Ihr Einsatz solle zeigen, dass die Stadt hinter den Gewerbetreibenden stehe und die Randalierer Frankfurt nicht repräsentierten.
Die Gewalt hatte beide erschüttert und an die jüngsten Ereignisse in Frankreich und Paris erinnert. Auch hier lebe man nicht auf einer "Insel der Glückseligen", sagte Gravenhorst. Er sprach über ungleiche Bildungschancen, Lohngerechtigkeit und gesellschaftliche Wut. Angesichts der Zerrissenheit fühle man sich einerseits hilflos, wolle andererseits aber selbst etwas anpacken.
Ausschreitungen nach überwiegend friedlichem Protest
Den Krawallen am 31. Oktober 2026 war ein über weite Strecken friedlicher Protestzug der Initiativen "Gen Z regelt" und "Generation Aufbruch" vorausgegangen. Ihre Forderungen waren mehr Investitionen in Bildung und Gesundheit sowie der Verzicht auf die Einführung einer Wehrpflicht. Die Polizei zählte in der Spitze rund 8.000 Menschen, die Veranstalter sprachen von 10.000 Teilnehmenden. Um etwa 18.20 Uhr löste die Polizei die Versammlung wegen "unfriedlichen Verlaufs" auf.
An diesem Tag gab es Proteste in mehr als 30 deutschen Städten. Schwere Ausschreitungen wurden neben Frankfurt auch aus Hamburg, Berlin und Köln gemeldet. Nach einer bundesweiten Zusammenstellung von Ippen.Media wurden mindestens 45 Einsatzkräfte verletzt.
Die Initiative "Gen Z regelt" distanzierte sich von der Gewalt nach dem Ende der Kundgebungen. Sie kündigte zugleich ihre Beteiligung an den europaweiten Protesten am 20. November 2026 an.
Landesregierung kündigt Konsequenzen an
Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) schrieb rund 100 linksextremistisch motivierten Gewalttätern eine Mitverantwortung für die Eskalation zu. Er sprach von einer "verheerenden Verbindung von Linksextremisten und gewalttätigen jungen Menschen".
Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) äußerte sich gegenüber der Deutschen Presse-Agentur schockiert über die Gewalt in Frankfurt und kündigte Konsequenzen an. Wer sich wie die Angreifer verhalte, stelle sich "außerhalb unserer Gesellschaft".
Die Polizei bezeichnete die Schäden als "erheblich", konnte sie am Sonntagmorgen aber noch nicht beziffern. Für 13 Uhr war eine Pressekonferenz angekündigt, bei der Poseck, Frankfurts Ordnungsdezernent Martin-Benedikt Schäfer, Polizeipräsident Stefan Müller und Einsatzleiter Erik Hessenmüller eine erste Einordnung der Ereignisse geben wollten.







