Probleme mit Wahlmaschinen und fehlende Stimmzettel
Nach übereinstimmenden Berichten von US-Medien verlängerten Landkreise in North Carolina und Pennsylvania die Wahlzeiten, nachdem es beim Start der Abstimmung Schwierigkeiten gegeben hatte. Der Sender ABC meldete technische Störungen aus vier Landkreisen in North Carolina. In Chester County in Pennsylvania verzögerte sich nach Angaben des Landkreises die Öffnung einiger Wahllokale kurzzeitig, weil Probleme beim Einrichten der Wahlmaschinen auftraten.
Auch in Westchester County im Bundesstaat New York funktionierte die Technik nicht reibungslos. Das Wall Street Journal berichtete von ausgefallenen Stimmzettelscannern. Vertreter des Bundesstaates und der Kommunen bestätigten, dass sich einige Stimmzettel nicht einlesen ließen. Die Wahlbehörde kündigte an, die Störung bis zum frühen Nachmittag zu beheben. Für die bis dahin abgegebenen Stimmen müsse jedoch mit einer späteren Auszählung gerechnet werden. Möglicherweise seien 250.000 Stimmzettel betroffen.
In dem Bezirk wird zugleich eines der landesweit am härtesten umkämpften Rennen um einen Sitz im Repräsentantenhaus ausgetragen: Der republikanische Abgeordnete Mike Lawler will sich gegen die Demokratin Cait Conley behaupten. Beide äußerten sich zuversichtlich, dass alle gültigen Stimmen gezählt würden.
In einem Wahlkreis in Kansas fehlte dagegen Papier: Laut Wall Street Journal waren nur 100 statt 1000 Stimmzettel geliefert worden, sodass der Vorrat vorübergehend ausging. In Florida zwangen anhaltender Regen und Überschwemmungen die Behörden dazu, 21 Wahllokale in acht Bezirken zu verlegen. Nach Behördenangaben erhielten die Wähler Hinweise per SMS und E-Mail. Amy Keith von der Bürgerrechts- und Demokratieorganisation Common Cause bezeichnete die Lage als großes Problem und empfahl, den jeweiligen Abstimmungsort bei den Wahlbehörden zu prüfen.
Neue Anforderungen an Registrierung und Briefwahl
Für Millionen Wahlberechtigte gelten bei diesen Zwischenwahlen veränderte Vorschriften. Allein in republikanisch regierten Bundesstaaten wurden in diesem Jahr mehr als drei Dutzend neue Wahlgesetze wirksam. Zahlreiche Regelungen entsprechen Vorhaben, die Präsident Donald Trump im Kongress nicht durchsetzen konnte. Das Brennan Center for Justice der New York University zählt fast 40 Gesetze in 21 Bundesstaaten, die in dieser Wahlsaison in Kraft treten und nach seiner Einschätzung die Registrierung, den Verbleib im Wählerverzeichnis oder die Stimmabgabe erschweren.
Die Änderungen betreffen unter anderem Ausweise und den Nachweis der US-Staatsbürgerschaft. Hochschulausweise werden in New Hampshire bei der Stimmabgabe nicht mehr als Identitätsnachweis akzeptiert. In Iowa entfällt für Menschen ohne Ausweis die Möglichkeit, ihre Identität durch andere Wähler bestätigen zu lassen. Manche Wahlberechtigte in Mississippi müssen möglicherweise eine Geburtsurkunde oder einen Reisepass vorzeigen.
Ohio fordert erstmals in diesem Jahr einen Staatsbürgerschaftsnachweis, wenn sich Menschen bei einer Filiale der Kraftfahrzeugbehörde BMV für die Wahl registrieren oder ihre Registrierung aktualisieren. Außerdem gibt es dort keine viertägige Nachfrist für Briefwahlstimmen mehr: Die Unterlagen müssen spätestens am Wahltag im Wahlbüro vorliegen. In Utah sind künftig zusätzliche Angaben auf dem Rücksendeumschlag für Briefwahlstimmen erforderlich.
Gegen eine neue Vorschrift in South Dakota geht die Bürgerrechtsorganisation ACLU gerichtlich vor. Wer sich dort erstmals als Wähler registriert, muss gängige Ausweisdokumente wie einen Führerschein, eine Tribal-ID oder einen staatlichen Ausweis für Personen ohne Führerschein persönlich bei einer Stelle vorlegen, die Registrierungen entgegennimmt. Ein weiteres mögliches Problem betrifft eingebürgerte US-Bürger: Veraltete Datenbanken zur Prüfung der Staatsbürgerschaft können dazu führen, dass sie aus den Wählerverzeichnissen gestrichen wurden und dies erst im Wahllokal erfahren.
Gerichtsverfahren und Kontrolle der Wahl
Um Stimmzettel in Kalifornien streiten die Trump-Regierung und die Gerichte. Die Regierung wandte sich am Tag vor der Wahl mit einem Eilantrag an den Supreme Court, nachdem sie vor niedrigeren Instanzen gescheitert war. Sie behauptet, Kalifornien habe Stimmzettel an mutmaßliche Nicht-US-Staatsbürger ausgegeben. Für mehr als 20.000 mögliche Fälle verlangte sie eine getrennte Aufbewahrung der Stimmzettel, bis die Identität der Abstimmenden geklärt ist.
Bundesrichter James Boasberg untersagte der Regierung, diese Forderung gegenüber den kalifornischen Wahlbehörden weiter zu erheben. In seiner Entscheidung schrieb er, die Exekutive habe "höchstwahrscheinlich gegen die Wahlklausel der Verfassung verstoßen, die die Befugnis über Wahlregeln ausschließlich den Bundesstaaten und dem Kongress überträgt". Ob und wann der Supreme Court entscheidet und welche Folgen das für die Wahl hätte, blieb offen.
Das US-Justizministerium teilte mit, in rund 90 Fällen wegen unterschiedlicher Wahlvergehen Anklage erhoben zu haben. Darunter seien 50 Fälle, in denen Menschen ohne US-Staatsbürgerschaft abgestimmt haben sollen. Bei der Präsidentschaftswahl 2024 waren in den USA 227 Millionen Wähler registriert. Zur Überwachung der aktuellen Wahl entsendet das Ministerium 1000 Beobachter in alle 50 Bundesstaaten. Nach seinen Angaben ist dies der größte Wahltagseinsatz seiner Geschichte; die Zahl liegt etwa dreimal so hoch wie bei den vorherigen Zwischenwahlen.
Am Wahltag veröffentlichte auch die Einwanderungsbehörde ICE Mitteilungen über Festnahmen wegen mutmaßlichen Wahlbetrugs. Zunächst war weder klar, ob die Fälle mit der aktuellen Wahl zusammenhingen, noch ob ICE-Beamte an Wahllokalen eingesetzt wurden. Bürgerrechtsorganisationen hatten im Vorfeld gewarnt, Einsätze oder entsprechende Drohungen könnten Wähler einschüchtern.
Auf eine mögliche juristische Auseinandersetzung in Alaska bereitet sich die ACLU vor. Ihre Anwältin Theresa Lee sagte, das Justizministerium wolle auf Trumps Anweisung gerichtlich verhindern, dass ein möglicher demokratischer Sieg bei der Senatswahl offiziell bestätigt wird, bevor geklärt ist, ob die Gestaltung des Stimmzettels Wähler verwirrt habe.
Spritpreise auf Rekordniveau – ohne Inflationsbereinigung
Patrick De Haan, Leiter der Ölmarktanalyse beim Preisvergleichsdienst GasBuddy, zufolge wurden an einem US-Wahltag noch nie so hohe Kraftstoffpreise verzeichnet. Er nannte für Benzin einen Durchschnitt von 4,12 Dollar je Gallone, umgerechnet 0,97 Euro pro Liter. Diesel koste 6,28 Dollar je Gallone beziehungsweise 1,48 Euro pro Liter.
Der bisherige Benzinpreisrekord für einen Wahltag stammte aus dem Jahr 2022. Berücksichtigt man die Inflation, ergibt sich allerdings ein anderes Bild: Eine Auswertung von USA TODAY anhand von EIA- und BLS-Daten kommt für die erste Novemberwoche 2012 auf 5,01 Dollar pro Gallone und für 2022 auf 4,34 Dollar. Für November 2026 nennt sie im Vergleich 4,14 Dollar. Inflationsbereinigt war der Benzinpreis am 3. November 2026 damit kein Höchststand.
Trump stellte bei einem Wahlkampfauftritt in Iowa am 1. November 2026 sinkende Benzinpreise für die Zeit nach einem Ende des Iran-Kriegs in Aussicht. Laut USA TODAY liegt der landesweite AAA-Durchschnittspreis seit April 2026 ohne Unterbrechung über 4 Dollar pro Gallone.
Wie kritisch viele registrierte Wähler Trumps Wirtschaftspolitik beurteilen, zeigt eine am 8. Oktober 2026 veröffentlichte Umfrage von Navigator Research. Seinen Umgang mit den Benzinpreisen lehnten 76 Prozent ab, während 20 Prozent zustimmten. Bei Inflation und Lebenshaltungskosten lag die Ablehnung bei 73 Prozent. Mit seiner Amtsführung insgesamt waren 62 Prozent unzufrieden; 36 Prozent stimmten ihr zu.
Umfragen zeigen Unzufriedenheit mit Trump
Auch die mit dem Meinungsforschungsinstitut SSRS erstellte AP Voter Poll erfasst breite Unzufriedenheit. Etwa sechs von zehn Befragten halten den US-Militäreinsatz gegen den Iran für eine falsche Entscheidung. Die Hälfte sieht in der Wahl eine Gelegenheit, Trump einen Denkzettel zu verpassen. Drei Viertel bezeichneten sich angesichts der Entwicklung des Landes als "wütend" oder "unzufrieden". Eine stärkere Kontrolle des Präsidenten durch den Kongress wünschen sich 70 Prozent.
Für die Erhebung wurden in den Tagen bis zur Wahl 75.000 Menschen befragt. Am Wahltag folgten Nachwahlbefragungen mit bis zu 25.000 weiteren Menschen in 15 Bundesstaaten.
Die Parteiführungen äußerten sich dennoch jeweils optimistisch. Der demokratische Senatsfraktionschef Chuck Schumer sagte nach seiner Stimmabgabe in Brooklyn eine neue Mehrheit seiner Partei im Senat voraus, mahnte aber, sich nicht vorzeitig zu freuen. Joe Gruters, Vorsitzender des Republican National Committee, erklärte, entscheidend sei die Mobilisierung der eigenen Wähler. Er traue den Republikanern zu, "der Geschichte trotzen" zu können. Die Partei des amtierenden Präsidenten hatte bei Zwischenwahlen in der Vergangenheit häufig Sitze verloren.
Erste Wahllokale geschlossen, zahlreiche weitere Entscheidungen
Schon vor dem Wahltag waren nach Daten des Election Lab der University of Florida 58,7 Millionen Stimmen persönlich oder per Brief abgegeben worden. Bei den Zwischenwahlen 2022 waren es 46 Millionen gewesen. Am Dienstag schlossen die ersten Wahllokale in Indiana und Kentucky um 18 Uhr Ortszeit, entsprechend 0 Uhr MEZ. In westlicher gelegenen Teilen beider Bundesstaaten, die einer anderen Zeitzone angehören, endet die Abstimmung eine Stunde später.
Neben den Sitzen im Repräsentantenhaus und im Senat werden Gouverneursämter in 36 Bundesstaaten und drei US-Territorien vergeben. Derzeit stehen 24 demokratischen Gouverneuren 26 republikanische gegenüber. Gewinnen die Demokraten unter dem Strich mindestens zwei Ämter hinzu, hätten sie erstmals seit 2010 wieder die Mehrheit dieser Posten.
Auch Prominente warben am Wahltag für ihre politischen Favoriten. Bruce Springsteen unterstützte den Demokraten Abdul El-Sayed im Rennen um einen Senatssitz in Michigan, während Nicki Minaj zur Wahl der Republikaner aufrief. Nach einer von der Washington Post berichteten Analyse waren bis zum späten Montagabend knapp 1,9 Milliarden Dollar auf die Zwischenwahlen gewettet worden.
In Colorado und Washington stehen zudem Initiativen zur Abstimmung, die transgeschlechtliche Mädchen von Sportwettkämpfen für Mädchen ausschließen würden. In Arizona entscheiden die Wähler über die Ausweitung eines bestehenden Verbots auf Privatschulen. Nebraska stimmt darüber ab, ein bereits gesetzlich geltendes Verbot zusätzlich in der Verfassung des Bundesstaates zu verankern.







