US-Zwischenwahlen: Welche Mehrheiten am 3. November auf dem Spiel stehen

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Die USA wählen am 3. November das gesamte Repräsentantenhaus, einen Teil des Senats und zahlreiche Gouverneure neu. Die Demokraten liegen in Umfragen in nahezu allen Kategorien vorn. Ob sie daraus Mehrheiten machen können, hängt auch davon ab, wie viele ihrer Anhänger tatsächlich wählen gehen.

Trump und die Republikaner unter Druck

Die Zwischenwahlen fallen in die Mitte der Amtszeit von Präsident Donald Trump. Üblicherweise verliert die Partei des Präsidenten dabei an Zustimmung, während die Wahlbeteiligung niedrig bleibt. Die aktuellen Umfragen sprechen dafür, dass die Regierungspartei auch diesmal Verluste hinnehmen könnte. Trump und Vizepräsident J. D. Vance machen inzwischen selbst in ausgeprägt republikanischen Staaten Wahlkampf.

Wie unzufrieden viele Amerikaner mit Trump sind, zeigt eine von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) am 29. Oktober zitierte Umfrage: Rund 37 Prozent bewerten seine Amtsführung positiv, 60 Prozent negativ. Der Zustimmungswert liegt damit unter den rund 40 Prozent seiner ersten Amtszeit. Nach demselben FAZ-Bericht versprach Trump jedem erwachsenen Amerikaner eine Zahlung von 5000 Dollar durch die Regierung, falls die Republikaner ihre Mehrheiten in beiden Kongresskammern halten.

Seit den Ereignissen um die Präsidentschaftswahl 2020 und dem Sturm auf das Kapitol ist mit Wahlen in den USA zudem das Risiko massiver politischer Gewalt verbunden.

435 Wahlkreise entscheiden über das Repräsentantenhaus

Im Repräsentantenhaus werden alle 435 Mandate alle zwei Jahre neu vergeben. Anders als bei der Bundestagswahl gibt es keine Zweitstimme: Jeder Sitz geht direkt an den Sieger eines Wahlkreises. Die Stimmen für unterlegene Bewerber tragen auch nicht zur parlamentarischen Stärke ihrer Parteien bei.

Entsprechend folgenreich ist der Zuschnitt der Wahlkreise. Beim sogenannten Gerrymandering werden deren Grenzen so verändert, dass eine Partei bei unverändertem Wahlverhalten mehr Mandate gewinnen kann. Vor der Wahl 2026 haben neun Bundesstaaten neue Grenzen festgelegt. In mindestens fünf Fällen geschah dies eindeutig zugunsten der jeweils regierenden Partei: in vier republikanisch und einem demokratisch geführten Staat. Würden die Menschen genauso abstimmen wie 2024, brächten die neuen Grenzen den Republikanern insgesamt zehn zusätzliche Sitze.

Die Nachrichtenagentur AP beschrieb am 6. Mai 2026, welche Größenordnungen einzelne Änderungen haben könnten. In Texas unterzeichnete Gouverneur Greg Abbott im August 2025 eine Wahlkreiskarte, die seiner republikanischen Partei fünf weitere Mandate ermöglichen könnte. Die kalifornischen Wähler billigten im November 2025 eine Gegenkarte mit einem möglichen Zugewinn von fünf Sitzen für die Demokraten.

In Florida setzte Gouverneur Ron DeSantis am 4. Mai 2026 neue Wahlkreisgrenzen in Kraft, durch die die Republikaner laut AP vier zusätzliche Mandate gewinnen könnten. In Ohio beschloss im Oktober ein parteiübergreifendes, mehrheitlich republikanisch besetztes Gremium einen Zuschnitt, der die republikanischen Aussichten auf zwei weitere Sitze verbessert.

Sollten die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus übernehmen, dürfte der Republikaner Mike Johnson sein Amt als Sprecher verlieren. Als wahrscheinlicher Nachfolger gilt der demokratische Fraktionschef Hakeem Jeffries. Er stünde damit nach dem Vizepräsidenten an nächster Stelle in der Nachfolge des Präsidenten: Fielen Präsident und Vizepräsident gleichzeitig aus, würde Jeffries als Staatsoberhaupt vereidigt.

Im Senat brauchen die Demokraten mindestens vier Zugewinne

Jeder Bundesstaat entsendet unabhängig von seiner Bevölkerungszahl zwei Mitglieder in den Senat. Derzeit verfügen die Republikaner über 53 der 100 Sitze. Zum demokratischen Lager mit 47 Sitzen zählen auch zwei Unabhängige.

Regulär wird alle zwei Jahre etwa ein Drittel des Senats neu gewählt. Diesmal betrifft das die 33 Sitze der sogenannten Class 2. Hinzu kommen zwei Sonderwahlen für Mandate der Class 3: Nach dem Wechsel von J. D. Vance und Marco Rubio in die Trump-Regierung hatten die jeweiligen Gouverneure diese nur vorläufig besetzt. Von den insgesamt 35 umkämpften Sitzen halten bislang die Republikaner 22 und die Demokraten 13.

Für eine eigene Mehrheit müssten die Demokraten sämtliche bisherigen Mandate verteidigen und mindestens vier hinzugewinnen. Als mögliche Chancen gelten North Carolina, Ohio, Maine, Alaska und Texas. Dort fordert James Talarico den Trump-Loyalisten Ken Paxton heraus. Ein Sieg Talaricos würde Texas erstmals seit vier Jahrzehnten wieder einen demokratischen Senator bringen.

CNN sieht in einer Analyse vom 29. Oktober mögliche Ergebnisse zwischen 49 und 55 demokratischen Sitzen. Genau 50 würden nicht zur Kontrolle der Kammer reichen, weil Vance bei Stimmengleichheit den Ausschlag zugunsten der Republikaner geben kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Demokraten in der Minderheit bleiben, beziffert CNN auf etwa ein Drittel.

Einzelne Umfragen ergeben dabei kein einheitliches Bild. In den von CNN am 29. Oktober vorgestellten Erhebungen lag Abdul El-Sayed in Michigan sieben Prozentpunkte vorn, Talarico in Texas sechs. Die meisten jüngsten Qualitätsumfragen in beiden Staaten ließen jedoch keinen klaren Spitzenreiter erkennen. In Maine war die CNN-Erhebung bereits die sechste Qualitätsumfrage in Folge ohne eindeutigen Führenden.

Gouverneurswahlen mit vielen offenen Nachfolgen

Auch in 36 der 50 Bundesstaaten wird die Regierungsspitze gewählt. Diese 36 Ämter sind bislang zu gleichen Teilen demokratisch und republikanisch besetzt. Nach Angaben von Wikipedia kommen drei Außengebiete hinzu, sodass insgesamt 39 Gouverneursposten zur Wahl stehen.

In 15 der betroffenen Bundesstaaten dürfen die Amtsinhaber wegen Amtszeitbegrenzungen nicht erneut kandidieren. Dazu gehören Gretchen Whitmer in Michigan, Gavin Newsom in Kalifornien und Ron DeSantis in Florida. Minnesotas Gouverneur Tim Walz, der frühere Vizepräsidentschaftskandidat an der Seite von Kamala Harris, zieht sich nach einem Betrugsskandal zurück. Wikipedia zufolge verzichten auch Tony Evers in Wisconsin und Kim Reynolds in Iowa freiwillig auf eine weitere Kandidatur.

Die taz schätzt dagegen die Wiederwahlchancen der etablierten Amtsinhaber J. B. Pritzker in Illinois, Greg Abbott in Texas und Josh Shapiro in Pennsylvania als so sicher ein, dass sie um ihren Verbleib im Amt nicht fürchten müssten.

Nach der Kandidatenübersicht von Wikipedia tritt in Kalifornien der Demokrat Xavier Becerra gegen den Republikaner Steve Hilton an. In Michigan stehen sich die Demokratin Jocelyn Benson und der Republikaner John James gegenüber, in Minnesota die Demokratin Amy Klobuchar und die Republikanerin Lisa Demuth. In Texas fordert die Demokratin Gina Hinojosa Abbott heraus; in Ohio konkurrieren die Demokratin Amy Acton und der Republikaner Vivek Ramaswamy.

In Rhode Island scheiterte der demokratische Gouverneur Dan McKee bereits in der Vorwahl an Helena Foulkes. Laut Wikipedia verlor damit erstmals seit 2014 ein gewählter Gouverneur die erneute Nominierung seiner Partei.

Was demokratische Mehrheiten verändern könnten

Ein Machtwechsel in einer oder beiden Kongresskammern ist ebenso wenig sicher wie die Bereitschaft der Republikaner, eine Niederlage anzuerkennen. Sollten beide Voraussetzungen eintreten, könnte Trump neue Gesetzesvorhaben nicht mehr ohne die Demokraten durchsetzen. Bei einer Mehrheit im Repräsentantenhaus übernähmen diese außerdem die Federführung bei der Ausarbeitung des Bundeshaushalts.

Allerdings setzt Trump seit der Verabschiedung der "Big Beautiful Bill" im Juli 2025 kaum noch auf den Gesetzgebungsweg. Das rund 900 Seiten starke Gesetz bildet den Kern seiner Wirtschafts- und Steuerpolitik. Seither regiert er vor allem mit Executive Orders, also präsidialen Dekreten, und überschreitet dabei mitunter seine Kompetenzen oder missachtet geltende Gesetze. Stoppt ihn ein Gericht, unternimmt er meist einen neuen Versuch.

Auch demokratische Gesetzesinitiativen hätten Grenzen. Vorhaben wie eine landesweite Legalisierung von Abtreibungen oder Medicare für alle würden am Veto des Präsidenten scheitern. Die taz bezweifelt zudem, dass sich die ideologisch breit aufgestellten demokratischen Fraktionen auf die dafür nötigen gemeinsamen Entwürfe verständigen würden, wenn deren Umsetzung ohnehin ausgeschlossen wäre.

Eine demokratische Senatsmehrheit könnte hingegen Trumps umstrittensten und nach Einschätzung der taz unqualifiziertesten Personalentscheidungen entgegentreten. Der Kongress könnte außerdem versuchen, seine Entscheidungsbefugnisse beim Fortgang des Irankriegs stärker zu begrenzen.

Untersuchungsausschüsse bis hin zu weiteren Amtsenthebungsverfahren wären eine andere Möglichkeit, gegen Korruption in der Trump-Regierung vorzugehen. Die taz liest aus den derzeitigen Stimmungsumfragen öffentlichen Rückhalt dafür, warnt aber vor dessen Grenzen: Langwierige Anhörungen könnten die Zustimmung wieder schwächen, wenn darüber die akuten Sorgen der Bürger aus dem Blick geraten.

Über die Gesetzgebung hinaus könnte ein demokratischer Wahlsieg die Debatten in beiden Parteien verändern. Trumps Einfluss auf die Republikaner könnte abnehmen. Bei den Demokraten wird auch das Abschneiden jener progressiven Kandidaten wichtig sein, die sich in den Vorwahlen gegen den Willen der Parteiführung durchgesetzt haben. Ihre Ergebnisse könnten zeigen, ob Erfolge wie der von Zohran Mamdani auch außerhalb New Yorks möglich sind.

#Wahlforschung#USA#Donald Trump
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