Trump spricht zum Wahlkampfabschluss minutenlang über den Reflecting Pool

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Bei seiner letzten Rede vor den US-Zwischenwahlen zeigte Donald Trump Fotos von Rohren, Betonrissen und Rasenflächen. Der Auftritt am Lincoln Memorial rückte ein umstrittenes Renovierungsprojekt in den Mittelpunkt, während Prognosen deutliche Gewinne der Demokraten erwarten lassen.

Fotos von Reparaturen vor geladenem Publikum

Für seinen Auftritt am Montag hatte der US-Präsident das Lincoln Memorial in Washington gewählt, wo Martin Luther King einst seine berühmte Rede hielt. Die Abstimmung am folgenden Tag bezeichnete Trump als die "wichtigsten Zwischenwahlen in unserer Lebenszeit". Über mehrere Minuten beschäftigte er sich jedoch mit den Arbeiten am Reflecting Pool hinter ihm.

Ein Mitarbeiter reichte ihm Bilder, anhand derer er ein zuvor verstopftes und inzwischen repariertes Abflussrohr, Betonrisse und eine Rasenfläche vorführte. "Das Gras ist jetzt wunderschön", sagte Trump. Dann fragte er seinen Assistenten: "Hast du das Foto von den Algen?" Dazu erklärte er: "Die Algen sind brutal, sie bilden sich leicht."

Zutritt hatten nur geladene Gäste. Unter den wenigen Dutzend Zuhörern waren Männer und Frauen mit beigefarbenen Hüten, vermutlich Parkranger. Andere Besucher der Sehenswürdigkeit standen vor einem blickdichten Bauzaun. "Ich bin sehr enttäuscht", sagte der aus Colorado angereiste Joe Gillman. Derrick Glover aus North Carolina fand, Trump hätte einen anderen Ort für seine Rede wählen können.

Steigende Kosten und erneute Schäden am Pool

Die Renovierung hatte bereits im Sommer wochenlang Schlagzeilen gemacht. Nach Angaben von Newsweek war Trump zunächst von rund 1,5 Millionen Dollar ausgegangen; bis 2026 erhöhten sich die Kosten auf mehr als 16 Millionen Dollar. Einschließlich aller größeren Ausgaben seit der Sanierung von 2010 bis 2012 beziffert das Magazin die Gesamtsumme auf rund 49,9 Millionen Dollar.

Wie der bei PBS News veröffentlichte Faktencheck von PolitiFact berichtet, erhielt Atlantic Industrial Coatings aus Virginia den Auftrag im April 2026 ohne Ausschreibung. Dafür wurde eine Ausnahmeregelung für dringende Fälle herangezogen. Im Mai 2026 lagen die Kosten bereits bei 13,1 Millionen Dollar.

Newsweek bewertet die Renovierung als gescheitert: Schon wenige Tage nach dem Wiederbefüllen waren die Algen zurück. Außerdem lösten sich dem Bericht zufolge Teile der neuen Beschichtung mit der Bezeichnung "American Flag Blue" vom Boden. Das Wasser musste erneut abgelassen werden. Bereits die unter der Obama-Regierung durchgeführte und 2012 abgeschlossene Sanierung hatte Lecks und Algen nicht beseitigt. Laut einem von PolitiFact angeführten Bundesvertrag waren dafür rund 35 Millionen Dollar ausgegeben worden.

Auch juristisch ist das Projekt umstritten. Eine Organisation von Landschaftsarchitekten will es laut PolitiFact mit einer Klage stoppen. Sie sieht darin einen "permanenten Makel auf der National Mall". Im Mai 2026 war das Verfahren noch anhängig. In einer Economist/YouGov-Befragung von 1.606 erwachsenen US-Bürgern im Juni 2026 lehnten laut Newsweek 49 Prozent die Renovierung durch die Trump-Regierung ab; 31 Prozent unterstützten sie.

PolitiFact stellt die Arbeiten in den Zusammenhang weiterer Umbauten in Washington. Trump ließ den Ostflügel des Weißen Hauses für einen Ballsaal abreißen und den Rosengarten pflastern. Hinzu kamen Pläne für einen 250 Fuß hohen Triumphbogen sowie die Umbenennung des Kennedy Centers nach Trump.

Prognosen sehen die Demokraten vorn

Bei den Zwischenwahlen werden sämtliche 435 Mandate im Repräsentantenhaus, gut ein Drittel der 100 Senatssitze und zahlreiche Gouverneursposten vergeben. Schon vor dem Wahltag hatten 54 Millionen Amerikaner abgestimmt, so viele wie nie zuvor. Dazu gehörten auch die beiden Besucher Gillman und Glover. Die Mehrheit der 210 Millionen registrierten Wähler wird am Dienstag erwartet. Nach mitteleuropäischer Zeit dürften erste Ergebnisse in der Nacht zum Mittwoch vorliegen.

Trumps Zustimmung lag in den vergangenen Wochen bei etwas mehr als einem Drittel der Amerikaner. Einzelne republikanische Kandidaten suchten deshalb Abstand zu ihm. Auf Basis von Umfragen stuften Analysten zunehmend auch Kansas, Texas, Iowa, Alaska, Ohio und South Carolina als unsicher für die Republikaner ein. Eine demokratische Mehrheit im Repräsentantenhaus gilt inzwischen als nahezu sicher; auch im Senat könnten die Demokraten die Mehrheit gewinnen.

Die unabhängige Prognoseseite FiftyPlusOne bezifferte ihre Gewinnchancen nach Angaben der WirtschaftsWoche am 2. November 2026 auf 99 Prozent für das Repräsentantenhaus und 77 Prozent für den Senat. Bei 232 der 435 Sitze im Repräsentantenhaus lagen die Demokraten demnach vorn.

Im Wahlkampf versprach Trump laut WirtschaftsWoche jedem US-Bürger eine Zahlung von 5.000 Dollar, sollten die Republikaner gewinnen. Bei rund 250 Millionen Wahlberechtigten würde dies den US-Haushalt dem Bericht zufolge etwa 1,25 Billionen Dollar kosten. Umfragen zufolge beschäftigen die Wähler vor allem die Wirtschaft und die hohe Inflation.

Eigenlob und Aussagen über einen möglichen Iran-Einsatz

Trump stellte seiner Regierung bei der Rede ein positives Zeugnis aus: "Ich habe weitaus mehr Versprechen gehalten, als ich gemacht habe." Er verwies auf gesunkene Ölpreise und sprach von Investitionen in Höhe von 25 Billionen Dollar in die USA. Über den Iran sagte er: "Wir hatten einen Krieg mit dem Iran – und haben gewonnen."

Erst kürzlich hatte Trump allerdings einen erneuten Angriff nach den Midterms in Aussicht gestellt. Nach einem Bericht des Wall Street Journal unter Berufung auf informierte Kreise forderten die USA mehrere arabische Golfstaaten auf, sich nach den Zwischenwahlen auf einen kurzen, intensiven Militäreinsatz vorzubereiten.

Das Handelsblatt beschreibt weite Teile des Auftritts als wirr und verweist auf Wiederholungen, etwa bei Trumps Aussage, Washington sei nun sicher. Der 80-Jährige hatte in den letzten Wochen vor der Abstimmung Dutzende Wahlkampfveranstaltungen bestritten. Als ein Journalist ihn bei einer dieser Veranstaltungen fragte, ob er müde sei, reagierte Trump gereizt und bezeichnete ihn als "ekelhaft".

Zum Schluss kehrte Trump zum Renovierungsprojekt zurück: Er hielt noch einmal ein Foto des Reflecting Pool hoch, das den Zustand vor den Arbeiten zeigte.

#Iran#Wahlforschung#USA#Donald Trump
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