Deutsche Bank Research senkt Wacker Chemie auf "Sell"

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Nach der kräftigen Kursrally rät Deutsche Bank Research zum Verkauf der Wacker-Chemie-Aktie. Analyst Tristan Lamotte reduziert sein Kursziel von 84 auf 75 Euro. Trotz seiner positiven Einschätzung von Strategie und Einsparungen sieht er auf längere Sicht eher Risiken.

Ergebnisschätzungen unter dem Konsens

Mit der am Freitag vorliegenden Empfehlung wechselt Lamotte von "Hold" auf "Sell". Für die Jahre 2027 bis 2029 erwartet er Ergebnisse, die im Durchschnitt 7 Prozent unter dem Analystenkonsens liegen. Nach seiner Einschätzung richten Anleger ihren Blick zunehmend auf diese längerfristigen Perspektiven. Die konservativen Ziele für das vierte Quartal dürfte Wacker dagegen erreichen.

Lamotte beurteilt die strategische Ausrichtung des bayerischen Konzerns positiv und hebt das Ausmaß der Einsparungen hervor. Seiner Verkaufsempfehlung stellt er jedoch die bereits starke Kursentwicklung gegenüber. Die Studie wurde den Angaben zufolge am 30. Oktober 2026 um 08:12 Uhr CET erstmals weitergegeben.

Zu Jahresbeginn hatte die Aktie bei 69,35 Euro gestanden, dem Schlusskurs vom 30. Dezember 2025. Am 3. Juni erreichte sie mit 105,60 Euro ihr Jahreshoch; Ende Juni lag sie bei 90,90 Euro und damit rund 31 Prozent über dem Jahresbeginn. Am 30. Oktober um 10:08 Uhr wurde sie auf Tradegate mit 83,85 Euro gehandelt, ein Plus von 0,60 Prozent.

Das durchschnittliche Kursziel der letzten sechs Analysten beträgt 76,83 Euro. Drei von ihnen empfehlen, die Aktie zu halten; die Kursziele reichen von 62 bis 100 Euro. Die zuletzt im Jahr 2026 gezahlte Dividende betrug 1,00 Euro, die angegebene Dividendenrendite 1,07 Prozent.

Quartalsgewinn und Jahresprognose

Einen Tag vor der Herabstufung hatte Wacker am 29. Oktober seine Zahlen für das dritte Quartal 2026 veröffentlicht. Der Umsatz erhöhte sich gegenüber dem Vorjahresquartal um 9,4 Prozent von 1,34 auf 1,47 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg von 111,7 auf 217,2 Millionen Euro und hat sich damit nahezu verdoppelt. Nach einem Verlust von 82,1 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum erzielte der Konzern nun einen Periodengewinn von 87,3 Millionen Euro.

Für das Schlussquartal rechnet das Management mit dem üblichen saisonalen Verlauf im Chemiegeschäft. Einen positiven Beitrag aus dem Solar-Polysilizium-Geschäft erwartet es nicht. Die Prognose für das Gesamtjahr 2026 bleibt unverändert: Das EBITDA soll in der oberen Hälfte der Spanne von 625 bis 750 Millionen Euro liegen.

PACE und die längerfristigen Finanzziele

Hinter den Einsparplänen steht das im Oktober 2025 gestartete Kosten- und Effizienzprogramm PACE. Ab 2028 soll es die jährlichen Kosten um mehr als 300 Millionen Euro senken. Für 2026 stellt Wacker rund 200 Millionen Euro Bruttoeinsparungen in Aussicht; 85 Millionen Euro davon wurden bereits im ersten Halbjahr erreicht.

Zum Programm gehört auch ein Stellenabbau. Im zweiten Quartal 2026 verständigte sich Wacker mit dem Betriebsrat in Deutschland auf den Abbau von rund 1.600 Stellen. Die organisatorische Umstrukturierung begann im dritten Quartal und soll bis Ende 2027 abgeschlossen werden.

Auf dem Kapitalmarkttag im September 2026 stellte der Konzern unter dem Motto REFOCUS zudem neue Finanzziele vor. Wacker strebt eine strukturelle EBITDA-Marge von 15 Prozent mit einer Bandbreite von plus/minus 2 Prozentpunkten sowie eine Kapitalrendite (ROCE) von mehr als 10 Prozent an. Das Unternehmen will außerdem schneller wachsen als die Weltwirtschaft.

Niedrigere Nettofinanzschulden erwartet

Für Ende 2026 prognostiziert Wacker Nettofinanzschulden von rund 200 Millionen Euro statt der bislang erwarteten rund 500 Millionen Euro. Ausschlaggebend sind vor allem Mittelzuflüsse aus dem Verkauf von Siltronic-Anteilen und aus der Umstellung der Sicherung von Altersteilzeitverpflichtungen.

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