Keine Erleichterung nach der neuen ärztlichen Einschätzung
Nach sieben Monaten Podcast-Pause kehrte Applegate am Dienstag, 20. Oktober, zu "MeSsy" zurück. Unter Tränen berichtete sie, beim jüngsten Krankenhausaufenthalt habe sich ihre MS-Diagnose als falsch erwiesen. Laut dem US-Magazin "People" beschrieb sie ihre Lage so: "Ich stehe also wieder am Anfang und weiß nicht, was mit mir los ist".
Während andere auf die Nachricht ihrer Ärztin erleichtert reagiert hätten, habe sie selbst keine Freude empfunden. Applegate berichtete von einer schweren Depression und davon, ihren Job verloren zu haben. "Es hat mein Leben zum Stillstand gebracht", sagte sie. An ihren körperlichen Einschränkungen habe die neue Einschätzung nichts geändert: Für den Weg vom Auto bis ins Behandlungszimmer brauche sie weiterhin einen Rollstuhl.
Auch eine der Schauspielerin nahestehende Quelle zeichnete gegenüber der britischen Zeitung "Daily Mail" ein belastendes Bild. Applegate befinde sich "in einer Abwärtsspirale". Der Insider sagte: "Sie lebt rund um die Uhr damit, es geht ihr immer schlechter, und jetzt hat sie nicht einmal mehr einen Namen dafür." Für Applegate fällt damit die Erklärung weg, mit der sie sich jahrelang auseinandergesetzt und über die sie öffentlich gesprochen hatte.
Welche Untersuchung die Diagnose infrage stellte
Wie t-online am 21. Oktober berichtete, gab eine spezielle Kernspintomografie den Ausschlag dafür, dass Applegates Neurologin die MS-Diagnose verwarf. Mit dieser Untersuchung lässt sich das sogenannte zentrale Venenzeichen erkennen: eine kleine Vene, die durch eine Läsion im Gehirn verläuft. Dieses für MS besonders typische Merkmal fehlte auf Applegates Aufnahme.
Das zentrale Venenzeichen gehört seit 2024 zu den erneuerten MS-Diagnosekriterien. Die dafür erforderliche spezielle Kernspintomografie steht allerdings noch nicht in allen Kliniken zur Verfügung.
Am Anfang der medizinischen Suche hatten andere Befunde vorgelegen. Laut t-online entdeckten Ärzte Anfang 2021 fast 40 Läsionen, also krankhaft veränderte Gewebestellen, in Applegates Gehirn, bevor sie die MS-Diagnose stellten. Applegate zufolge wurden außerdem oligoklonale Banden in ihrem Nervenwasser nachgewiesen. Diese bestimmten Eiweiße finden sich dem Bericht zufolge bei mehr als 95 Prozent der Menschen mit MS.
Was Studien über falsche MS-Diagnosen zeigen
In der Podcast-Folge erläuterte Dr. Marwa Kaisey, Professorin für Neurologie am Cedars-Sinai Medical Center, dass es keinen einzelnen Test zur Feststellung von MS gebe. Fehldiagnosen seien deshalb "ziemlich häufig". Ihre Einordnung: "Fast jeder Fünfte dieser Menschen, denen gesagt worden war, sie hätten MS [ ... ], hatte die Krankheit tatsächlich gar nicht."
Kaisey leitete eine US-Studie, die 2019 in der Fachzeitschrift Multiple Sclerosis and Related Disorders erschien. Nach Angaben von RACGP newsGP wurden dafür 241 Personen mit einer MS-Diagnose untersucht. Am Cedars-Sinai Medical Center erwiesen sich 17 Prozent der Diagnosen als falsch, an UCLA Health waren es 19 Prozent. Die häufigste Alternativdiagnose war Migräne mit 16 Prozent. Es folgten das radiologisch isolierte Syndrom mit 9 Prozent sowie Spondylopathie und Neuropathie mit jeweils 7 Prozent.
Viele der falsch diagnostizierten Betroffenen hatten laut derselben Untersuchung im Schnitt vier Jahre lang eine MS-Behandlung erhalten, ehe die korrekte Diagnose feststand. Insgesamt summierten sich die unnötigen MS-Therapien in der untersuchten Gruppe auf rund 110 Patientenjahre. Ihre Kosten wurden auf fast 10 Millionen US-Dollar geschätzt.
Eine breiter angelegte Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 wertete laut t-online 62 Studien aus. Sie kam auf einen Anteil falscher MS-Diagnosen von 15 Prozent. Zwischen der falschen Diagnose und ihrer Korrektur lagen 0,3 bis 15,9 Jahre.
Auch eine 2016 in Neurology veröffentlichte Untersuchung dokumentierte langjährige Irrtümer und deren Folgen. Unter den 110 erfassten Menschen mit einer MS-Fehldiagnose lebten 36, also 33 Prozent, seit mindestens zehn Jahren mit der falschen Diagnose. Bei 34 Betroffenen beziehungsweise 31 Prozent entstanden dadurch vermeidbare gesundheitliche Schäden, wie RACGP newsGP berichtete.
Jahrelange Beschwerden und weitere Suche nach Antworten
Noch vor der öffentlichen Bekanntgabe ihrer damaligen MS-Diagnose im August 2021 hatte Applegate Kribbeln in den Zehen und Probleme mit dem Gleichgewicht bemerkt. In den folgenden Jahren belasteten sie auch wiederholte Krankenhausaufenthalte. Ende März 2026 musste sie erneut in eine Klinik. Im September zeigte sie sich nach monatelangen gesundheitlichen Problemen wieder in einem Instagram-Video.
In einem Interview mit "People" hatte Applegate betont, für ihre Tochter Sadie Grace da sein zu wollen. Die 15-Jährige stammt aus ihrer Ehe mit Martyn LeNoble. Obwohl Applegate oft die Kraft fehlt und sie viel Zeit im Bett verbringt, versucht sie, für ihr Kind stark zu bleiben. Zugleich steht für sie nun erneut die Suche nach einer Diagnose an, die ihre anhaltenden Beschwerden erklärt.







