Nicholas Ofczarek über sein Leben mit MS: Junge Betroffene ermutigen

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Fast 30 Jahre lang lebt Nicholas Ofczarek bereits mit Multipler Sklerose. Nun erzählt der 55-jährige Schauspieler im österreichischen Magazin "Fleisch", wie die unheilbare Erkrankung seine Bühnenarbeit verändert hat und warum er nach langem öffentlichem Schweigen darüber spricht.

Eine Diagnose kurz nach der Geburt seiner Tochter

Ofczarek war 27 Jahre alt und gerade Vater einer Tochter geworden, als er von seiner Erkrankung erfuhr. Besonders deutlich ist ihm die erste Aussage seiner Ärztin im Gedächtnis geblieben: "Das Erste, was meine Ärztin damals gesagt hat, war: Du weißt schon, das ist unheilbar."

Mit dem Interview möchte er insbesondere jüngeren Menschen nach einer MS-Diagnose eine Perspektive geben. "Ich hoffe, dass das für einige junge Menschen, die die Diagnose MS erhalten, eine Perspektive eröffnet. Dass man nämlich trotz und mit dieser Erkrankung seine Ziele verfolgen und erreichen kann."

Das Gespräch ist Teil der neuen "Fleisch"-Ausgabe, für die derStandard in seinem Bericht vom 20. Oktober 2026 Mittwoch als Verkaufsstart im Zeitschriftenhandel nennt. Darin geht es laut derStandard auch um Ofczareks Kindheit in einer Sängerfamilie, seine jahrzehntelange Laufbahn am Wiener Burgtheater und seine Vorbehalte gegenüber einer politischen Vereinnahmung des Theaters.

Weniger körperbetontes Spiel, mehr Sprache

Im Theater spürt Ofczarek die körperlichen Einschränkungen mitunter schon vor dem Auftritt. "Manchmal ist es schon ein Problem, überhaupt über die Stiegen auf die Bühne zu kommen", sagt er. Das Wetter, Stress und seine Tagesform beeinflussten, wie stark ihm die Symptome zu schaffen machten.

Für den Burgtheater-Schauspieler, den der ORF am 21. Oktober 2026 als mehrfachen Nestroy-Preisträger bezeichnet, hat sich damit auch die Art des Spielens gewandelt: "Früher war ich ein körperbetonter Schauspieler. Die Umstände haben mich zu einem sprachbetonteren Schauspieler gemacht."

Dass er nach wie vor große Rollen spielen könne, schreibt Ofczarek auch seiner Familie zu. Seine Frau bestärkte ihn, als er angesichts seiner körperlichen Grenzen an sich zweifelte. Er erinnert sich an ihre Worte: "Du bist so viel mehr als dein Gang, wenn du auf die Bühne gehst."

Auch abseits des Theaters ist Ofczarek einem breiten Publikum bekannt: Er spielte in den Serien "Braunschlag", "Der Pass" und "Die Ibiza-Affäre" sowie in den Filmen "Räuber Hotzenplotz" und "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull".

Zuversicht ohne Erfolgserzählung

Als Erfolgsgeschichte will Ofczarek seinen Umgang mit MS nicht verstanden wissen: Die Krankheit sei weiterhin unheilbar. Er versuche, ihr mit Ernährung, Training und einer bewussteren Lebensweise etwas entgegenzusetzen. Seine Haltung beschreibt er so: "Die Diagnose bedeutet nicht das Ende des Lebens, sondern ist ein Aufruf zur Veränderung."

Die Freude am Beruf sei ihm geblieben. "Ich habe Energie und große Freude an meiner Arbeit, noch immer. Ich blicke voller Zuversicht in die Zukunft."

MS betrifft in Österreich rund 13.500 Menschen

Bei Multipler Sklerose handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Zu den möglichen Folgen zählen Probleme bei Bewegungen, Muskelschwäche und starke Erschöpfung. Das Ausmaß der Einschränkungen unterscheidet sich von Mensch zu Mensch erheblich.

Die Österreichische Multiple Sklerose Gesellschaft (ÖMSG) beziffert die Zahl der Erkrankten in Österreich auf rund 13.500. Meist tritt MS zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf; Frauen sind nach Angaben der Gesellschaft etwa dreimal so häufig betroffen wie Männer.

Nach Einschätzung der ÖMSG scheint die Prävalenz, also die Häufigkeit von MS in der Bevölkerung, in Österreich zuzunehmen. Als mögliche Erklärungen führt sie bessere diagnostische Möglichkeiten und eine steigende Lebenserwartung an.

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