Streit um Tonaufnahmen noch offen
Seit Juli 2025 verhandelt das Gericht über den Fall; inzwischen sind 84 Verhandlungstage vergangen. Die Kammer hat den Zeitplan bereits mehrfach erweitert, weil neue Entwicklungen den Beginn der Plädoyers hinauszögerten. Fortgesetzt wird die Verhandlung am 6. November.
Der jüngsten Terminverlängerung ging nach einem Bericht des "Spiegel" vom 3. November 2026 ein Rechtsstreit um beschlagnahmte Tonaufnahmen voraus. Eine Journalistin der "Zeit" hatte Gespräche mit der entführten Tochter von Christina Block und ihrem Ex-Mann aufgezeichnet. Ob diese Aufnahmen als Beweismittel ausgewertet werden dürfen, ist dem Bericht zufolge noch offen.
Vorwürfe gegen Block und sechs Mitangeklagte
Der 53-jährigen Hamburger Unternehmerin wird vorgeworfen, eine israelische Sicherheitsfirma mit der Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder beauftragt zu haben. Nach einem erbitterten Sorgerechtsstreit sollten die Kinder vom Wohnort ihres Vaters in Süddänemark nach Deutschland gebracht werden. Block weist den Vorwurf zurück.
Nach Angaben des NDR wird die Entführung der Firma Cyber Cupola und deren Chef David Barkay zugeschrieben. Block erklärt dagegen, sie habe das Unternehmen Monate zuvor ausschließlich für eine Prüfung der IT-Sicherheit im familieneigenen Luxushotel Grand Elysée engagiert.
Neben Block gehören laut dpa der langjährige Anwalt der Familie, Andreas Costard (64), und ein 36-jähriger Israeli zu den Hauptangeklagten. Wegen Beihilfe müssen sich vier weitere Personen verantworten: Blocks Lebensgefährte Gerhard Delling, ein deutscher Sicherheitsunternehmer sowie ein Ehepaar. Delling, früher Sportmoderator, weist ebenfalls zurück, etwas Unrechtes getan zu haben.
Als einziger der sieben Angeklagten befindet sich der 36-jährige Israeli in Untersuchungshaft. Seine Beteiligung an der Entführung hat er eingeräumt. Sein Verteidiger erklärte, der Mann habe geglaubt, die Kinder vor einem bösen Vater retten zu müssen.
Entführung und Ermittlungen zu einem früheren Versuch
Die Kinder wurden in der Silvesternacht 2023/24 aus Süddänemark nach Deutschland entführt. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft hatte bereits ein Jahr zuvor eine deutsche Sicherheitsfirma einen ersten Entführungsversuch unternommen. Wie der NDR berichtete, ließ die Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit diesem Verdacht im September 2025 die Geschäfts- und Privaträume des früheren BND-Chefs August Hanning durchsuchen.
Der familiäre Konflikt reicht weiter zurück: Im August 2021 brachte Vater Stephan Hensel den damals zehnjährigen Sohn und die damals 13-jährige Tochter nach einem Wochenendbesuch nicht zu ihrer Mutter zurück. Deutsche Gerichte entschieden zugunsten Blocks; in Dänemark wurden diese Entscheidungen jedoch nicht umgesetzt.
Sorgerecht beim Vater, Entscheidung über Unterhalt
Nach der Entführung hielten sich die beiden Kinder zwei Tage bei Block in Hamburg auf. Wenige Tage nach Neujahr 2024 ordnete das Hanseatische Oberlandesgericht ihre Rückgabe an den Vater an. Hensel hat inzwischen das alleinige Sorgerecht für die beiden Kinder. Dies haben dänische Gerichte auch in höchster Instanz bestätigt.
Über den Unterhalt für die drei bei Hensel in Dänemark lebenden Kinder entschied zudem das Familiengericht in Sønderborg (Sonderburg). Es verpflichtete Block zu Zahlungen. Wie die dpa am 29. Oktober 2026 unter Berufung auf Blocks Berater Béla Anda berichtete, blieb der festgesetzte Betrag deutlich unter Hensels Forderung.







