Putin spricht mit Stubb und Støre vor allem über Geschichte statt über eine Waffenruhe

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Für das Telefonat waren 25 Minuten vorgesehen, am Ende dauerte es anderthalb Stunden. Nach einem Bericht der Financial Times erläuterte Wladimir Putin den Staats- und Regierungschefs Finnlands und Norwegens überwiegend seine historische Sicht auf den Ukraine-Krieg. Die Initiative stößt in Europa au…

Ein seltener direkter Kontakt mit Putin

Eine Waffenruhe spielte bei dem Gespräch am 27. Oktober 2026 offenbar nur eine Nebenrolle. Die Financial Times berichtet unter Berufung auf drei mit dem Telefonat vertraute Quellen, Russlands Präsident Wladimir Putin habe die meiste Zeit über mittelalterliche slawische Geschichte gesprochen. Damit habe er die vermeintlich weit zurückreichenden historischen Wurzeln des Konflikts erläutert. Einzelheiten seiner Ausführungen sind bislang nicht öffentlich bekannt.

Der finnische Präsident Alexander Stubb und der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre ließen Putin laut dem Bericht bewusst ausreden. Sie hätten prüfen wollen, wie ernst es ihm mit einem Dialog mit Europa sei. Statt der vorgesehenen 25 Minuten beanspruchte das Telefonat schließlich anderthalb Stunden.

Stubb und Støre hatten den Anruf initiiert, nach Angaben des finnischen Präsidialamts in Absprache mit der Ukraine. Vorausgegangen war ein Treffen am 20. Oktober 2026 in Oslo mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und dem US-Sondergesandten Steve Witkoff. Meduza und The Moscow Times zufolge war das Telefonat Putins erster Kontakt mit einem Staats- oder Regierungschef eines europäischen Unterstützers der Ukraine seit seinem Gespräch mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron im Juli 2025.

Forderungen zum Donbass und Schritte zur Deeskalation

Bei den territorialen Forderungen ließ Putin nach einem Reuters-Bericht keine Kompromissbereitschaft erkennen. Die Agentur erfuhr aus dem Umfeld des Kremls, er habe am Ziel festgehalten, den gesamten Donbass zu erobern. Stubb und Støre hätten dem die Forderung nach einem "gerechten" Frieden entgegengesetzt.

In seiner offiziellen Darstellung erklärte der Kreml die bedingungslose Berücksichtigung der "legitimen Interessen" Russlands zur Voraussetzung für dauerhaften Frieden. Zugleich beschuldigte das russische Präsidialamt die EU und die Nato, einen Konfrontationskurs zu verfolgen.

Selenskyj zufolge forderten Stubb und Støre von Putin konkrete Schritte zur Deeskalation beim Schutz der ukrainischen Energieversorgung und Infrastruktur. Støre erläuterte, Norwegen bemühe sich um ein Ende der Angriffe auf die Energieinfrastruktur sowohl in Russland als auch in der Ukraine. Auch Angriffe auf Schiffe mit ukrainischen Getreideexporten sollten aufhören. Einen Friedensvertrag, der die besetzten Gebiete als russisches Staatsgebiet anerkenne, werde die Ukraine nach seiner Einschätzung kaum unterzeichnen.

Historische Begründungen schon beim Gipfel in Alaska

Putin hat seine Gebietsansprüche wiederholt mit Geschichtsdeutungen begründet. Beim Gipfel mit Donald Trump in Alaska im vergangenen Jahr versuchte er darzulegen, weshalb die Ukraine historisch zu Russland gehöre. Dafür verwies er auf den Wikingerfürsten Rurik, den angeblichen Begründer der ersten russischen Herrscherdynastie im 9. Jahrhundert, und auf Jaroslaw den Weisen. Mit dieser historischen Linie stellte er Moskau als rechtmäßigen Erben der Kyjiwer Rus dar.

Zu Putins Darstellung gehörte außerdem ein ukrainischer Kosakenführer des 17. Jahrhunderts, der sich freiwillig dem russischen Reich angeschlossen habe. Seine wiederkehrende Behauptung, Ukrainer und Russen seien ein Volk, stützte Putin zuletzt auch auf angebliche genetische Studien.

Medienberichten zufolge reagierte Trump in Alaska verärgert und überrascht auf die historischen Ausführungen und drohte, das Treffen abzubrechen. Das gemeinsame Mittagessen fiel aus. Zugleich verlangte Putin die Kapitulation der Ukraine und die Abtretung des gesamten Donbass. Auch die von Moskau angeführten Interessen waren demnach bereits Thema: Dazu gehörten eine russlandfreundliche Regierung in der Ukraine und die Rücknahme der Nato-Osterweiterung.

Støre verteidigt den Anruf, Frederiksen äußert Zweifel

Støre begründete den direkten Kontakt damit, Putin die eigene Position unmissverständlich vermitteln zu wollen. Er erwarte nicht, dass der russische Präsident seine Haltung ändere. Er befürchte aber, dass manche Botschaften Putin bei dessen Gesprächen mit den Amerikanern nicht erreichten.

Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen bewertete die Initiative dagegen sehr skeptisch. Nach ihrer Darstellung war der Anruf nicht mit anderen europäischen Staats- und Regierungschefs abgestimmt. Sie erkenne keine Anzeichen dafür, dass Russland Frieden mit der Ukraine oder mit Europa wolle.

Russlands Außenminister Sergei Lawrow erklärte, das Telefonat habe in der Ukraine-Frage nichts Neues gebracht. Er warf europäischen Staaten vor, sich in die von den USA geführten Verhandlungen drängen zu wollen.

Verhandlungstreffen in Abu Dhabi geplant

Für November 2026 ist in Abu Dhabi ein Treffen der Verhandlungsteams der USA, der Ukraine und Russlands vorgesehen. Putins Berater Juri Uschakow nannte dafür einen Zeitpunkt nach dem 4. November. Bei der Ankündigung erklärte er auch, ganz Europa müsse an den Friedensgesprächen beteiligt werden.

#Ukraine-Krieg#Wladimir Putin#Wolodymyr Selenskyj#Russland
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