Waffenruhe in Oleschky hält – mögliche Evakuierung über die Krim

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Auch am zweiten Tag melden Russland und die Ukraine keine Verstöße gegen die Feuerpause in Oleschky. Für die verbliebenen Einwohner ist jedoch noch offen, wie eine Ausreise ablaufen würde. Ein möglicher Weg über die russisch besetzte Krim weckt Befürchtungen vor einer Zwangsverschleppung.

Evakuierung soll am 30. Oktober beginnen

In der von Russland besetzten Stadt Oleschky im Süden der Ukraine wird die Waffenruhe nach übereinstimmenden Angaben beider Seiten bislang eingehalten. Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinets erklärte: "30 Stunden Waffenruhe in Oleschky sind ohne einen einzigen Zwischenfall vergangen". Seine russische Amtskollegin Jana Lantratowa äußerte sich ähnlich.

Das Büro von Lubinets teilte mit, die Räumung von Minen habe begonnen. Für den 30. Oktober 2026 sei der Start der Evakuierung vorgesehen. Große Teile des Umlands sind vermint; wie viele Menschen ausreisen wollen und welche Strecke sie nehmen müssen, bleibt ungeklärt.

Nach Angaben der von Moskau eingesetzten Beamten könnte der Weg zunächst über die besetzte Halbinsel Krim führen. Euronews berichtete am 28. Oktober unter Berufung auf die Financial Times, Ausreisewillige sollten mit Bussen zunächst in russisch besetztes Gebiet oder auf die Krim gebracht werden. Erst anschließend dürften sie in ukrainisch kontrolliertes Gebiet weiterreisen. Der Bericht löste Sorgen vor einer Zwangsverschleppung aus.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte diese Woche gegenüber TSN die Vermutung geäußert, Russland räume die Minen so, dass die Menschen nach Osten gelenkt würden.

Russische Zusagen und Zweifel am weiteren Weg

Wolodymyr Saldo, der von Russland eingesetzte Leiter der besetzten Oblast Cherson, erklärte am 27. Oktober, Unterkünfte für Evakuierte stünden bereit: im übrigen besetzten Teil der Oblast, auf der besetzten Krim und in anderen russischen Regionen. Nach seiner Darstellung könnten die Bewohner selbst entscheiden, ob sie in Russland bleiben oder in ukrainisch kontrolliertes Gebiet reisen wollten.

Das Institut für Kriegsstudien (ISW) sieht dagegen offene Fragen zum Umgang der russischen Behörden mit evakuierten Ukrainern. Es verwies darauf, dass Russlands Präsident Wladimir Putin Oleschky im Telefonat mit dem finnischen Präsidenten Alexander Stubb und dem norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Store ausdrücklich als "russische Siedlung" bezeichnet habe.

Das ISW warnte vor einem möglichen rechtlichen Hindernis für die Rückkehr: Moskau könnte Ukrainer aus Oleschky, die unter der Besatzung russische Pässe erhalten haben, als russische Staatsbürger behandeln und ihnen eine rechtliche Möglichkeit zur Rückkehr in die Ukraine absprechen.

Allerdings wollen offenbar viele Einwohner gar nicht fort. Ein ranghoher ukrainischer Beamter erklärte, deshalb sehe die Waffenruhe auch humanitäre Lieferungen für die in der Stadt verbleibenden Menschen vor. Nach russischer Darstellung haben die meisten Ausreisewilligen Oleschky bereits verlassen.

Feuerpause bis zum 1. November vorgesehen

Die vom Weißen Haus in der vergangenen Woche angekündigte Vereinbarung wurde von US-First-Lady Melania Trump vermittelt. Sie soll Evakuierungen und Hilfslieferungen ermöglichen sowie die Versorgung der Bevölkerung sichern, der Lebensmittel, Wasser und Medikamente fehlen.

Begonnen hat die Feuerpause am 27. Oktober 2026 um 4:00 Uhr Moskauer Zeit, entsprechend 3:00 Uhr in Kiew. Ihr Ende ist für den 1. November um 22:59 Uhr Kiewer Zeit vorgesehen. Melania Trump zufolge wurde der Beginn zum Schutz der Zivilbevölkerung und zur Ermöglichung humanitärer Hilfe um zwei Tage vorgezogen.

Nach ihren Angaben vom 27. Oktober wurde der Geltungsbereich zudem über Oleschky hinaus erweitert. Tetiana Schelest, Sprecherin des ukrainischen Menschenrechtsbeauftragten, bestätigte, dass die Waffenruhe inzwischen die gesamte Oblast Cherson umfasse.

Hunger und Minen prägen den Alltag

Oleschky liegt am Dnjepr in der südukrainischen Region Cherson. Russland eroberte die Stadt 2022; inzwischen wird sie von beiden Armeen in die Zange genommen. Von einst 24.000 Einwohnern sollen noch rund 2.000 dort leben. Ehemalige Bewohner berichteten, einige Menschen hätten aus Nahrungsmangel begonnen, Tauben zu jagen und zu essen.

Nach Einschätzung des ISW beendeten die russischen Besatzungsbehörden die Lieferungen von Lebensmitteln und anderen Gütern Ende Dezember 2025. Seit Mai 2026 seien weder Lebensmittel noch Medikamente in der Stadt angekommen. Ukrainische Vorschläge für örtliche humanitäre Waffenruhen habe Moskau im Mai, Juli und September abgelehnt.

Noch im Frühjahr 2026 konnten Evakuierungshelfer Einwohner aus Oleschky herausbringen. Die mehrtägigen Reisen führten durch Russland und Belarus; Ziele waren andere besetzte Siedlungen der Oblast Cherson oder ukrainisch kontrollierte Gebiete.

Wie gefährlich die Wege sind, zeigten Vorfälle Ende September: Vier Menschen wurden durch eine Mine verletzt, als sie die Stadt verlassen wollten. Eine weitere Mine tötete einen Mann beim Sammeln von Nüssen.

#Ukraine-Krieg#Wladimir Putin#Wolodymyr Selenskyj#Russland
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