Ergebnis wächst schneller als Umsatz
Bei einem Konzernumsatz von 2.051 Mio. EUR lag das operative EBIT im dritten Quartal bei 299 Mio. EUR. Gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht das einem Umsatzplus von 9,0 % und einem Ergebnisanstieg von 19,1 %; damals hatte Knorr-Bremse 1.883 Mio. EUR Umsatz und 251 Mio. EUR operatives EBIT ausgewiesen. Die operative EBIT-Marge erhöhte sich um 130 Basispunkte von 13,3 % auf 14,6 %. Zugleich nahm der Free Cashflow von 159 Mio. EUR auf 238 Mio. EUR zu, also um fast 50 %.
Auch die Bestellungen legten auf Konzernebene zu: Nach 1.956 Mio. EUR im Vorjahresquartal gingen Aufträge über 2.053 Mio. EUR ein. Zum 30. September 2026 standen Aufträge im Wert von 7.883 Mio. EUR in den Büchern. Ein Jahr zuvor waren es 7.368 Mio. EUR gewesen; der Zuwachs beträgt 7,0 %.
Trotz der Steigerungen lagen mehrere Kennzahlen unter den Markterwartungen. Laut der Ad-hoc-Mitteilung vom 28. Oktober hatte der Vara-Research-Consensus vom 13. Oktober 2026 für den Umsatz 2,09 Mrd. EUR und für das operative EBIT 304 Mio. EUR vorgesehen. Die erreichte Marge entsprach mit rund 14,6 % dagegen der Erwartung. Beim Ergebnis je Aktie standen 1,09 EUR einem Consensus von 1,17 EUR gegenüber; für den Konzernauftragseingang waren 2,16 Mrd. EUR erwartet worden.
Verschobene Aufträge im Bahngeschäft
Die Rail-Division verbuchte im dritten Quartal Bestellungen über 1.045 Mio. EUR, nach 1.173 Mio. EUR ein Jahr zuvor. Damit unterschritt sie auch die Vara-Consensus-Erwartung von 1,18 Mrd. EUR um rund 130 Mio. EUR. Knorr-Bremse verweist darauf, dass die Auftragseingänge im Bahngeschäft im Jahresverlauf projektbedingt schwanken.
Zur Abweichung vom Consensus trugen laut der Ad-hoc-Mitteilung vor allem verschobene Kundenaufträge über rund 80 Mio. EUR bei. Mit deren Vergabe rechnet das Unternehmen innerhalb der nächsten sechs Monate. Zudem habe Knorr-Bremse ein europäisches Projekt aus Renditegründen nicht forciert. Für das vierte Quartal erwartet der Konzern, einen Teil des Rückstands aufzuholen und wieder Rail-Aufträge von rund 1,2 Mrd. EUR zu erhalten.
Umsatz und Ergebnis der Division entwickelten sich hingegen positiv. Der Umsatz nahm um 6,1 % auf 1.114 Mio. EUR zu, das operative EBIT um 9,9 % auf 197 Mio. EUR. Daraus ergab sich eine operative EBIT-Marge von 17,7 %, verglichen mit 17,0 % im Vorjahresquartal. Der Auftragsbestand erreichte zum 30. September 5.858 Mio. EUR nach 5.659 Mio. EUR ein Jahr zuvor. Als Beiträge zur operativen Verbesserung nennt Knorr-Bremse höhere Umsätze und Effizienzsteigerungen.
Markterholung stärkt Truck-Division
Im Nutzfahrzeuggeschäft stützte die Erholung in Nordamerika und Europa die Nachfrage. Die Truck-Division erhielt Aufträge über 1.018 Mio. EUR, gegenüber 783 Mio. EUR im dritten Quartal 2025. Ihr Auftragsbestand belief sich Ende September auf 2.028 Mio. EUR; zum gleichen Stichtag des Vorjahres waren es 1.710 Mio. EUR gewesen.
Der Umsatz der Division wuchs um 12,5 % auf 938 Mio. EUR. Mit einem Zuwachs von 31,9 % auf 116 Mio. EUR legte das operative EBIT stärker zu. Die operative EBIT-Marge erhöhte sich von 10,5 % auf 12,3 %. Neben der insbesondere in Nordamerika spürbaren Markterholung wirkten sich nach Unternehmensangaben auch die Kostenmaßnahmen aus.
Jahresprognose bestätigt
Für 2026 hält Knorr-Bremse an einem Umsatz zwischen 8.100 und 8.300 Mio. EUR, einer operativen EBIT-Marge von 14,0 bis 14,5 % und einem Free Cashflow zwischen 750 und 850 Mio. EUR fest. Bei Umsatz und Free Cashflow erwartet der Konzern jeweils einen Wert am oberen Rand der Spanne.
Voraussetzung ist, dass sich die Krise im Nahen Osten weder verschärft noch länger anhält, auch mit Blick auf mögliche Unterbrechungen der Lieferketten. Die Prognose berücksichtigt die Effekte der duagon-Übernahme und ansonsten das aktuelle Unternehmensportfolio.
duagon-Übernahme und geplanter Merak-Verkauf
Den Kauf der duagon Group aus Dietikon in der Schweiz hat Knorr-Bremse am 7. Januar 2026 abgeschlossen. duagon beschäftigt rund 1.000 Elektronik- und Software-Experten und verzeichnete zwischen 2022 und 2025 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von rund 15 %. Gemeinsam erreichen die Geschäftsbereiche Selectron und duagon einen Jahresumsatz von rund 250 Mio. EUR.
Für duagon rechnet Knorr-Bremse 2026 mit einer operativen EBIT-Marge von rund 16 %, ohne Integrationskosten. Ab 2028 sollen jährliche Synergieeffekte von 5 bis 10 Mio. EUR zum EBIT beitragen.
Zum Portfolio-Umbau im Rahmen des Strategieprogramms BOOST gehört außerdem die geplante Veräußerung von Merak, dem weltweiten Geschäft mit Klimaanlagen für Züge. Die Verkaufsvereinbarung mit OpenGate Capital wurde am 28. Juli 2026 unterzeichnet. Für den Abschluss müssen noch die üblichen Bedingungen erfüllt und regulatorische Freigaben erteilt werden. Knorr-Bremse erwartet den Vollzug bis Ende des Kalenderjahres 2026.
Von BOOST zu den Zielen für 2030
Finanzvorstand Frank Weber sieht mit dem Quartalsergebnis das für 2026 gesetzte BOOST-Ziel klar erfüllt. Das im Juli 2023 gestartete Programm sollte die operative EBIT-Marge bis Ende 2026 auf über 14 % bringen. Nach eigenen Angaben hatte Knorr-Bremse diese Schwelle bereits im zweiten Quartal 2026 mit 14,2 % überschritten.
Vorstandschef Marc Llistosella bezeichnete BOOST als Grundlage für die anschließende Wachstumsoffensive "Growth Beyond". Mit deren Start am 29. Juli 2026 legte Knorr-Bremse erstmals feste Mittelfristziele für 2030 fest. Angestrebt werden rund 10 Mrd. EUR Umsatz, eine operative EBIT-Marge von rund 16 %, eine Cash Conversion Rate von über 90 % und ein Return on Capital Employed (ROCE) von über 25 %. Der Vorstand beschloss diese Ziele mit Zustimmung des Aufsichtsrats.
Die vollständige Quartalsmitteilung mit sämtlichen Finanzkennzahlen will Knorr-Bremse planmäßig am 29. Oktober 2026 veröffentlichen.







