Nach verweigerter Einreise: Bremer Arzt plant neuen Hilfseinsatz in Gaza

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Fadi Schukfeh will am 2. November erneut nach Amman fliegen, um von dort zu einem Hilfseinsatz in den Gazastreifen weiterzureisen. Im Juni hatten die israelischen Behörden dem 73-jährigen Urologen aus Bremen die Weiterreise ohne Begründung verweigert, wie er dem Weser-Kurier berichtet.

Flug gebucht, Einsatz geplant

Den Flug nach Amman hat der pensionierte Arzt bereits organisiert. Die Palestinian American Medical Association (Pama) aus Fairfax im US-Bundesstaat Virginia übernimmt die Organisation der Visa, die Anmeldung bei den Behörden sowie die Busfahrt und die Unterbringung in einer Klinik im Gazastreifen. Für Flugticket, Visum und Einreisegebühr kommt Schukfeh selbst auf, wie schon bei früheren Reisen.

Auch seinen gescheiterten Einsatz im Juni hatte die Pama vorbereitet. Damals wartete Schukfeh mit einem internationalen Ärzteteam in einem Hotel in Amman auf die Erlaubnis zur Weiterfahrt. Sechs Stunden vor der vorgesehenen Abfahrt informierte ihn die Organisation, dass die israelischen Behörden seine Reise nicht genehmigt hätten.

"Ich habe nicht erfahren, warum ich nicht nach Gaza fahren durfte", sagt Schukfeh. Er habe lediglich erfahren, dass er nicht auf der Liste der einreiseberechtigten Ärzte stehe. Nach seiner Darstellung traf die unbegründete Zurückweisung auch freiwillige Ärzte aus anderen Ländern. Für ihn bedeutete sie, sich nach der mentalen Vorbereitung auf den Einsatz wieder auf die Heimreise einstellen zu müssen: Er buchte sein Ticket um und flog direkt nach Bremen zurück.

Die Pama beziffert ihre Arbeit in Gaza für 2025 auf 14 medizinische Missionen mit 274 eingesetzten Gesundheitskräften. Nach eigenen Angaben unterstützte sie neun Krankenhäuser direkt sowie 15 Einrichtungen der medizinischen Grundversorgung und medizinische Anlaufstellen. Außerdem nennt sie mehr als 300.000 größere und kleinere Operationen sowie über 149.000 gelieferte Einheiten von Medikamenten und medizinischen Gütern.

Fast täglich Rat aus Bremen

Bis zu einem möglichen neuen Einsatz hilft Schukfeh aus der Ferne. Fast jeden Tag erreichen ihn E-Mails oder Whatsapp-Nachrichten von Kollegen aus Gaza. Sie beschreiben Verletzungen, senden Fotos und fragen nach seiner Einschätzung. Nach seinen Angaben sind dort derzeit nur zwei Urologen tätig; entsprechend häufig werde seine Erfahrung gebraucht. Besonders bei verletzten Kindern stoße die Beratung aus Bremen jedoch an Grenzen.

Wie schwierig die Arbeit vor Ort ist, kennt er aus eigener Anschauung. 2025 war Schukfeh zweimal mit der US-amerikanischen Hilfsorganisation Rahma in Gaza und operierte Verletzte, darunter häufig Kinder. Sein letzter Einsatz führte ihn nach Khan Yunis. Die medizinische Infrastruktur sei nahezu vollständig zerstört, berichtet er. "Die Mediziner arbeiten unter schwersten Bedingungen".

Vor seinem Ruhestand arbeitete Schukfeh zunächst im Klinikum Bremen-Mitte und später in einer Praxis in Achim. Dass er nun nicht vor Ort helfen kann, lässt ihn nicht los: "Wenn ich mitbekomme, wie die Bevölkerung in Gaza leidet, habe ich hier keine Ruhe".

Strenge Kontrollen auf dem Weg nach Gaza

Bei seiner zweiten Reise 2025 führte der Weg von Amman zunächst zur israelischen Grenze und anschließend zu einem Checkpoint am Gazastreifen. Schukfeh erinnert sich an drei Busse: einen für die UNO, einen für das Rote Kreuz und einen für die humanitäre Hilfsorganisation. Militärfahrzeuge begleiteten den Konvoi. Am Grenzübergang wurden sowohl die Fahrzeuge als auch sämtliche Reisenden eingehend kontrolliert und durchleuchtet. "Die Stimmung war sehr angespannt", sagt er.

Für das persönliche Gepäck galten enge Vorgaben. Zugelassen waren die notwendige Kleidung, eigene Medikamente sowie ein Laptop und ein Mobiltelefon; auch die Geräte wurden genau durchsucht. Instrumente und medizinisches Material durften die Ärzte nicht selbst mitbringen. Ein Verstoß könne die gesamte Mission gefährden, erklärt Schukfeh. Darauf machten die Organisationen vor jedem Einsatz ausdrücklich aufmerksam.

Wegen der schlechten Versorgung nahm er für jeden Einsatztag eine kleine Dose Fisch mit. Diese genau abgezählte Menge durfte er passieren lassen. Wie knapp die Versorgung blieb, zeigen auch UN-Angaben von Anfang 2026: Mehr als ein Viertel der Familien in Gaza hatte weiterhin nur eine Mahlzeit täglich. Zugleich benötigten wegen der Winterstürme mehr als eine Million Menschen bessere Zelte.

Gerichtlicher Aufschub, weiter eingeschränkte Hilfe

Der Zugang für Hilfsorganisationen hat sich seit Jahresbeginn 2026 erschwert. Im Januar berichtete die Tagesschau, Israel habe 37 internationalen Organisationen die Lizenz entzogen, darunter Ärzte ohne Grenzen. Nach Angaben von Sarah Menschenmoser, Leiterin der politischen Abteilung der Organisation in Deutschland, dürfen deren internationale Mitarbeitende seit Anfang Januar nicht mehr in den Gazastreifen einreisen. Hintergrund sei ein Streit über die Weitergabe von Informationen zu palästinensischen Beschäftigten.

Menschenmoser zufolge tragen seither mehr als 1.400 palästinensische Kolleginnen und Kollegen die Hilfe vor Ort. Internationale Teams unterstützen sie von Amman aus.

Ende Februar setzte Israels Oberster Gerichtshof das bevorstehende Betätigungsverbot für die 37 Organisationen vorläufig aus. Wie beck-aktuell unter Berufung auf dpa berichtete, erließ eine Richterin nach einem Eilantrag von Ärzte ohne Grenzen und weiteren Organisationen eine einstweilige Verfügung. Ohne diesen Aufschub hätten die Betroffenen ihre Tätigkeit bis zum 1. März 2026 auch im Gazastreifen einstellen müssen. Anhörungen zur Klage gegen das Registrierungsgesetz sollten möglichst bald folgen.

Die gerichtliche Entscheidung beseitigte die praktischen Einschränkungen nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen jedoch nicht. Einsatzleiter Marcus Bachmann erklärte Ende Februar, alle internationalen Mitarbeitenden seien der Anordnung zur Ausreise bereits gefolgt und erhielten kaum Rückkehrgenehmigungen. Zuvor hatte die Organisation rund 80 ausländische Spezialistinnen und Spezialisten für jeweils etwa drei Monate eingesetzt. Die medizinische Nothilfe ruhe nun auf rund 1.600 lokalen Beschäftigten, sagte Bachmann damals. Die Materialvorräte würden noch für etwa zwei Monate reichen.

Schukfeh hält an seinem Vorhaben fest

Ob er diesmal nach Gaza weiterreisen darf, ist noch offen. Für Schukfeh ist die Zurückweisung im Juni dennoch kein Grund, auf einen weiteren Versuch zu verzichten. "Ich habe Humanmedizin studiert und empfinde es daher als meine Pflicht, Menschen zu helfen", sagt er. "Solange ich gut sehen kann und meine Hände nicht zittern, werde ich weiter operieren."

#Nahostkonflikt#Israel
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