Hilfe für rund 2000 verbliebene Einwohner
Fast sechs Monate erreichten keine Lebensmittellieferungen mehr Oleschky. In der Stadt am Dnipro, gegenüber von Cherson, leben zuletzt noch etwa 2000 der einst 24.000 Einwohner. Sie leiden Hunger und sind ständigem Beschuss ausgesetzt. Sowohl das Ufer als auch die Zufahrtsstraßen waren vermint.
Russland hält Oleschky seit Beginn des Krieges 2022 besetzt. Um auf die Not der Bevölkerung aufmerksam zu machen, hatte die stellvertretende Präsidentin des Europäischen Parlaments, Pina Picierno, einen Hungerstreik angekündigt.
Die nun für das Gebiet vereinbarte Feuerpause begann am Dienstag, dem 27. Oktober 2026. Ihr Ende ist für Sonntagabend, den 1. November, vorgesehen. Nach Angaben beider Konfliktparteien vermittelte US-First-Lady Melania Trump die Vereinbarung, die auch Papst Leo XIV. unterstützte. Die Verhandlungen liefen über den ukrainischen Menschenrechtsbeauftragten Dmytro Lubinets und seine russische Amtskollegin Jana Lantratowa.
Entminte Zufahrten und ein weiter Evakuierungsweg
Bevor die Hilfsaktion anlaufen konnte, wurden die Zufahrtswege von Minen geräumt. Dabei kamen nach einer Mitteilung des russischen Verteidigungsministeriums vom 30. Oktober zwei russische Soldaten auf einer Straße nach Oleschky ums Leben. Lantratowa bestätigte den Tod zweier Personen bei den Räumarbeiten in dem Gebiet.
Lubinets zufolge wurden für die Evakuierung 25 Busse bereitgestellt, die zusammen mehr als 750 Menschen aufnehmen können. Krankenwagen begleiten den Einsatz, um auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität zu transportieren. Melania Trump gab an, dass dem Konvoi 50 medizinische Fachkräfte angehörten. Die ukrainische Delegation erreichte auf ihrer Anreise Armiansk auf der von Russland besetzten Krim.
Bewohner, die in die Ukraine ausreisen, müssen einen erheblichen Umweg nehmen. Die Behörden in Kiew beschreiben die Route so: Zunächst geht es in die südrussische Stadt Anapa, anschließend per Flug nach Belarus und von dort mit Bussen über die Grenze in die Nordukraine. Schon die kürzeste Verbindung zwischen Oleschky und Anapa verläuft über rund 450 Kilometer durch die russisch besetzte Krim.
Hoffnung auf weitere Missionen, Skepsis bei Matwijtschuk
Der ukrainische Chefunterhändler Lubinets bewertete die Hilfsmission am 30. Oktober als einzigartig. Er hoffe, dass sich nach diesem Modell auch andere ukrainische Gemeinden unterstützen ließen, die der Krieg von der Versorgung abgeschnitten habe.
Die Nobelpreisträgerin Oleksandra Matwijtschuk äußert sich hingegen skeptisch zu der Aktion. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung in einem Interview von Frank Nienhuysen.
Angriffe außerhalb der Feuerpausenzone gehen weiter
Während die örtliche Waffenruhe am 30. Oktober hielt, dauerten die Kämpfe in anderen Gebieten an. Russland erklärte, Energieinfrastruktur in und um Kiew sowie Hafenanlagen in der Region Odessa angegriffen zu haben. Zudem habe es über russischen Regionen mehr als 1000 ukrainische Drohnen abgeschossen.
Russland verstärkt seine Angriffe auf die Stromversorgung und weitere Infrastruktur. Hunderttausende Menschen in der Ukraine sind bereits immer wieder ohne Strom. In Schostka in der Region Sumy wurde nach Angaben des ukrainischen Katastrophenschutzes bei einem russischen Drohnenangriff eine Frau getötet; acht Menschen wurden verletzt.







